Brösel-Banknoten in Deutschland "Wir sind keine Verbrecher - wir sind Künstler"

Peter Kees kippt Schwefelsäure über Geldscheine und verkauft sie als Kunstwerke. Jetzt interessiert sich das Berliner Landeskriminalamt für ihn.

Interview: Martin Zips

Vor einem Jahr tauchten die ersten Brösel-Banknoten in Deutschland auf. Mittlerweile liegen 4480 offenbar durch Schwefelsäure angefressene Scheine bei der Bundesbank. Die Ermittler der Polizei rätseln, wer für den plötzlichen Zerfall des Geldes verantwortlich sein könnte. Nun durchsuchten Beamte des Landeskriminalamts Berlin die Wohnungen von drei Künstlern, die mit Brösel-Banknoten arbeiten. Peter Kees ist einer von ihnen.

SZ: Herr Kees, geben Sie's zu: Sie waren das.

Kees: Nur in der Ausstellung.

SZ: In welcher Ausstellung?

Kees: Zusammen mit meinen Freunden Uwe Jonas und Hans Winkler zeige ich in der Berliner Galerie ,,Weißer Elefant'' gerade die Ausstellung ,,Wir machen mehr aus Ihrem Geld''.

SZ: Aha. Und da kippen Sie Schwefelsäure über europäische Banknoten?

Kees: Wissen Sie, unsere Idee ist die: Man kann bei uns einen ganz gewöhnlichen Geldschein abgeben. Diesen Geldschein übergießen wir mit Schwefelsäure und machen ihn somit zum Kunstwerk. Und nun vereinfachen wir die Abläufe auf dem Kunstmarkt: Wird der Schein nämlich anschließend für 250 Euro verkauft, so erhält der Investor von uns 125 Euro Umsatzbeteiligung. Wird sein Schein jedoch nicht verkauft, so bekommt der Investor von uns seinen Schein als Kunstwerk zurück.

SZ: Der Begriff Kunstwerk - das ist ja ein weites Feld.

Kees: Mittlerweile schon.

SZ: Was war zuerst da? Ihre etwas merkwürdige Kunstidee? Oder die Brösel-Banknoten bei der Bundesbank?

Kees: Auseinandersetzungen mit Ökonomie haben in meiner Arbeit Tradition. Aber natürlich lässt man sich von der Wirklichkeit anregen.

SZ: Und gerade stand die Wirklichkeit bei Ihnen mit Hausdurchsuchungsbefehl vor der Wohnungstür.

Kees: Zunächst durchsuchten neun Polizeibeamte die Räume der Galerie. Anschließend tauchten sie gleichzeitig und ohne Anmeldung bei uns Künstlern auf. Für die Durchsuchung brauchten die Beamten etwa eine halbe Stunde. Nun sollen wir noch als Zeugen vorgeladen werden. Ich hoffe nicht, dass so etwas zur Regel wird.

SZ: Wie war denn die Durchsuchung so?

Kees: Ich fand die Reaktion des Landeskriminalamts unverhältnismäßig. Das war ein Eingriff in meine Privatsphäre und in meine künstlerische Freiheit. Andererseits freue ich mich natürlich über die dadurch entstandene Öffentlichkeit.

SZ: Haben die Beamten irgendetwas mitgenommen?

Kees: Die Schwefelsäure haben die Beamten mitgenommen. Die wird jetzt von Spezialisten untersucht.

SZ: Interessant.

Kees: Ich möchte noch einmal betonen: Wir sind keine Verbrecher. Wir sind Künstler.

SZ: Sie waren's wirklich nicht?

Kees: Wir waren's wirklich nicht.