Bonuszinsen Wie Bausparkassen ihre langjährigen Kunden loswerden wollen

Viele Bausparer nutzen ihren Vertrag zur Geldanlage statt zum Hausbau.

(Foto: Johannes Simon)

Immer mehr Bausparkassen drohen ihren Kunden, der Bonuszins sei in Gefahr, wenn sie jetzt nicht kündigen. Oft steckt nichts dahinter.

Von Benedikt Müller

Sie hatte weder vor, ein Haus zu bauen, noch eine Immobilie zu kaufen, da ist die Sparerin aus Leonberg bei Stuttgart ganz ehrlich. Als sie vor sieben Jahren ihren Bausparvertrag abschloss, wollte sie sich einfach die Sparzinsen sichern: Ein Prozent pro Jahr hat die Quelle Bauspar AG garantiert - plus 2,35 Prozent Bonuszins, wenn die Kundin kein Bauspardarlehen in Anspruch nimmt. Millionen Bausparer in Deutschland erhalten solche Bonuszinsen, weil sie einfach nur sparen, ohne jemals zu bauen. Jahrzehntelang waren sie willkommene Kunden, denn sie brachten frisches Geld ins System. Dank ihnen konnten die Bausparkassen an den Teil ihrer Kunden schneller Kredite vergeben, der wirklich bauen oder kaufen will.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Auf keine andere sichere Anlage würde die Sparerin aus Leonberg heute noch 3,35 Prozent Zinsen bekommen. Die Bausparkassen wiederum können die versprochenen Renditen kaum noch erwirtschaften. In Zeiten niedriger Zinsen verdienen sie weniger Geld im Kreditgeschäft; wenn sie die Spareinlagen anlegen, können sie negativen Zinsen kaum noch entgehen.

Deshalb kündigen sie seit einigen Monaten Kunden, die zum Teil seit mehr als 20 Jahren sparen und die Bausparsumme längst erreicht haben. Nun kommt ein neuer Trick hinzu: Immer mehr Bausparkassen warnen ihre Kunden, der Bonuszins würde gestrichen, wenn sie ihren Vertrag weiterlaufen ließen.

Baufinanzierung Wie viel Immobilie kann ich mir leisten?
Ratgeber Baufinanzierung

Wie viel Immobilie kann ich mir leisten?

Der Kauf einer Immobilie ist für viele die größte Investition ihres Lebens. Eine solide Baufinanzierung hilft, künftige Belastungen besser zu einschätzen und Risiken zu minimieren.

Verbraucherzentrale hat Unterlassungsklage eingereicht

Man habe ihr die Pistole auf die Brust gesetzt, berichtet die Sparerin aus Leonberg. Sie sollte sich entweder ihren Bausparvertrag samt Bonuszins auszahlen lassen, bot die Bausparkasse an, oder der Vertrag würde weiterlaufen ohne Bonuszins - weder für die vergangenen noch für kommende Jahre.

Die Quelle Bauspar AG, die heute BSQ Bauspar AG heißt, verweist auf eine Klausel in ihren Vertragsbedingungen. Demnach dürfe die Kasse den Bonuszins auf sieben Jahre begrenzen, wenn "bauspartechnische Gründe" vorliegen. "Was auch immer das heißen mag", schimpft die 55-jährige Kundin. Sie pocht darauf, dass BSQ das Zinsversprechen einhält. "Ich kann auch nicht zur Bank gehen und einfach meine Kreditrate kürzen, weil sich das Zinsumfeld geändert hat."

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat eine Unterlassungsklage gegen BSQ eingereicht. Sparer könnten nicht nachvollziehen, was "bauspartechnische Gründe" sein sollten, argumentiert Niels Nauhauser. Der Verbraucherschützer registriert immer wieder neue Methoden, wie Bausparer aus Verträgen gehievt werden sollen. "Die Kündigungswelle scheint manchen Bausparkassen noch nicht zu reichen", kritisiert Nauhauser. "Sie oder ihre Berater versuchen zusätzlich, mit Alternativangeboten und leeren Drohungen Kunden aus für sie lukrativen Altverträgen zu drängen."