Boni an der Wall Street:Du bist was du kriegst

Lesezeit: 1 min

Ade, Finanzkrise: Die Wall-Street-Firmen schütten Milliarden-Boni an ihre Manager aus - so viel wie nie zuvor. Während die US-Wirtschaft am Boden liegt, feiern die Banker und Investoren Gewinne.

Die US-Wirtschaft darbt. Die Arbeitslosenquote liegt bei mehr als neun Prozent, doppelt so hoch wie vor der Krise. Der Staat steht vor einem gigantischen Schuldenberg. Die Pensionsfonds, die Altersvorsorge des kleinen Mannes, haben schwere Verluste erlitten. Doch eine Gruppe kann schon wieder feiern: An die Banker und Investoren der Wall Street werden 2010 voraussichtlich so viele Boni ausgezahlt wie noch nie.

Boni an der Wall Street: An der Wall Street werden Rekord-Boni gezahlt.

An der Wall Street werden Rekord-Boni gezahlt.

(Foto: AP)

Insgesamt bekommen sie etwa 144 Milliarden Dollar, hat das Wall Street Journal berechnet. Im vergangenen Jahr waren es 139 Milliarden Dollar.

Die Boni steigen, weil die Erträge steigen: 29 der 35 befragten Firmen gehen davon aus, dass sie in diesem Jahr mehr Geld einnehmen als im Vorjahr - insgesamt rund 448 Milliarden Dollar. Jeder dritte Dollar wird als Bonus ausgeschüttet.

Doch so ganz hat auch die Wall Street die Krise noch nicht verdaut, jedenfalls wenn der Rekordprofit von 2006 zugrunde gelegt wird. Damals machten die Unternehmen einen Reingewinn von mehr als 80 Milliarden Dollar, dieses Jahr werden es etwa 60 Milliarden Dollar. Die Gehälter jedoch stiegen im gleichen Zeitraum um mehr als 20 Prozent.

Die Unternehmen wollten die Rekord-Boni im Wall Street Journal nicht kommentieren. Doch sie berufen sich darauf, dass die Banken Mitarbeiter verlieren, wenn sie keine hohen Boni zahlen. Tatsächlich haben Manager in Großbritannien Goldman Sachs und die Credit Suisse Group 2009 verlassen, als die Regierung in London eine Steuer auf Boni erhob.

Kurzfristiges Denken

Davor, weniger Geld zu bekommen, müssen sich die Goldman-Sachs-Mitarbeiter an der Wall Street nicht fürchten: Zwar gehen Goldmans Einnahmen zurück, doch die Boni werden wohl steigen: Von 39 Milliarden Dollar Erträgen sind im Moment fast die Hälfte für Sonderzahlungen vorgesehen.

"Solange diese Institutionen nicht in langfristigen Marktwerten denken, sondern in kurzfristigen Erträgen, werden wir diese empörend hohen Boni beobachten", zitiert das Wall Street Journal Charles Elson von der University of Delaware.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema