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Börsenentwicklung:Privatanleger hatten eine bessere Nase

In der Krise lagen Sparer mit ihren Aktien-Prognosen oft besser als die Profis. Doch ihr Geld ließen sie auf dem Konto.

Sie haben den richtigen Riecher gehabt: Mitte August, genau einen Monat vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, fragte das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest im Auftrag der DZ Bank 1000 Privatanleger, wie sich die Aktienkurse ihrer Einschätzung nach in den folgenden sechs Monaten entwickeln würden.

Der Dax hatte nach einem Jahr Bankenkrise schon stark gelitten, war von mehr als 8000 Punkten bis auf fast 6000 Zähler im Juni gefallen. Seitdem hatte sich das Aktienbarometer leicht erholt, das Gros der Profiprognostiker hielt das erreichte Kursniveau bis Jahresende für tragbar.

Andere Einschätzung der privaten Sparer

Nicht so die privaten Sparer: Nur 26 Prozent trauten der Konsolidierung an der Börse nach den ersten Bankenschieflagen in Amerika. Sie erwarteten steigende Kursen. 28 Prozent rechneten damit, dass der Dax auf der Stelle tritt. Und 35 Prozent prognostizierten fallende Aktienkurse. Dieses gute Drittel hatte eine bessere Nase als manche Marktanalysten, von denen bei einer Reuters-Umfrage im Juni einige den Dax bis Jahresende bei mehr als 7000 Punkten gesehen hatten.

Im Oktober lagen die Privatanleger dann genauso falsch wie die Profis: Beide Gruppen unterschätzten zunächst die Folgen der Lehman-Pleite und hofften auf eine schnelle Erholung der Kurse, die nicht kam. Die Trendwende erfassten die Privatanleger wiederum ganz gut.

Noch im Januar kalkulierten sie richtigerweise mit weiter fallenden Kursen. Bei der nächsten Befragung Mitte April votierten dann immerhin 40 Prozent für steigende Kurse, mittlerweile sind sogar 48 Prozent für den Dax positiv gestimmt.

Die Treffsicherheit der jüngsten Umfragewerte vom August steht zwar noch aus, aber die Gralshüter der Aktienkultur in Deutschland sind mit dem Ergebnis auch bislang schon zufrieden. Mit diesen Prognosen hätten die deutschen Anleger erfolgreich gegen den schlechten Ruf gearbeitet, "wegen ihrer ausgeprägten Risikoaversion tendenziell zu spät am Markt präsent zu sein", sagt Gerrit Fey vom Deutschen Aktieninstitut (DAI).