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Börse:Die neue Lust auf Banken

Finanzkonzerne glänzen wieder an der Börse. Anleger reißen sich förmlich darum, ihnen Geld zu geben.

Martin Hesse

Die Finanzwelt steht Kopf. Noch vor wenigen Monaten waren private Investoren kaum bereit, Banken Kapital zu geben. Zu groß war die Angst vor weiteren Pleiten. Jetzt reißen sich die Anleger Bankaktien aus den Händen, und die Finanzkonzerne überschlagen sich, um neues Geld einzusammeln. Zum einen wollen sich Banken, die Staatshilfe bekommen hatten, von politischem Einfluss befreien, indem sie ihrer Regierung das Geld zurückgeben. Zum anderen kommen auf die Kreditbranche neue Kapitalregeln zu. Manch eine Bank hat frisches Geld noch immer bitter nötig.

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Das Geld kehrt zurück: Banken-Hochhäuser in Frankfurt

(Foto: Foto: AP)

Am Dienstag kündigte die französische Großbank BNP Paribas eine Kapitalerhöhung um 4,3 Milliarden Euro an. Zugleich sollen 5,1 Milliarden Euro Staatshilfe plus Zinsen zurückgezahlt werden. Um die Altaktionäre dafür zu gewinnen, bot BNP ihnen die Anteile mit einem Abschlag von fast 30 Prozent an. Mit der Rückzahlung an Paris befreit sich BNP auch von Auflagen, die die französische Regierung an die Hilfen geknüpft hatte: etwa eine Begrenzung von Bonuszahlungen und die Pflicht, die Kreditvergabe auszudehnen.

Begeisterte Börsianer

An der Börse wurde die Kapitalerhöhung begeistert aufgenommen. Die BNP-Aktie stieg zeitweise um mehr als vier Prozent, auch die Kurse anderer europäischer Banken von Commerzbank bis Unicredit legten deutlich zu. Auch die italienische Großbank hatte vor kurzem eine Kapitalerhöhung angekündigt - und dabei wird es nicht bleiben. "Wir werden in ganz Europa mehr solcher Schritte sehen", sagte Andy Lynch, Fondsmanager bei Schroders Investment Managers der Nachrichtenagentur Bloomberg. Italiens Intesa Sanpaolo, die britischen Geldhäuser Lloyds und Royal Bank of Scotland wollen ebenfalls an den Kapitalmarkt. Auch den Briten geht es darum, sich dem Zugriff des Staates zu entziehen. Die Schweizer Großbank UBS kündigte ebenfalls an, die Verbindung zur Regierung möglichst bald kappen zu wollen, in einem Jahr werde die UBS wieder gesund sein.

Von den deutschen Banken dagegen hört man derlei nicht. Das hat mehrere Gründe. Zum einen sind überhaupt nur wenige deutsche Großbanken börsennotiert, neben der Deutschen Bank die Commerzbank, die Postbank sowie der Immobilienfinanzierer Aareal Bank und - noch - die Hypo Real Estate (HRE). Lediglich die Deutsche Bank verdient bereits wieder so viel Geld, dass sie ihre Kapitalreserven zuletzt auch aus Gewinnen aufstocken konnte, ihre Eigenkapitalquote liegt bei gut elf Prozent. Allerdings braucht die Investmentbank möglicherweise weiteres Geld, um die Privatbank Sal. Oppenheim zu übernehmen. In Finanzkreisen wird der Deutschen jedoch am ehesten zugetraut, sich Kapital auch über die Börse zu beschaffen.

Wie lange hält der Hunger?

Die Commerzbank hat bis zuletzt an dem Ziel festgehalten, von 2012 an Staatshilfen zurückzuzahlen. Derzeit sieht sich die Bank mit einer Eigenkapitalquote von 11,3 Prozent gut ausgestattet. Unklar ist jedoch noch, welche Folgen neue Kapitalregeln haben könnten, die die Regierungschefs von 20 großen Industrie- und Schwellenländern vergangene Woche in Pittsburgh angekündigt haben. Demnach wird von den Banken künftig mehr aber auch hochwertigeres Eigenkapital verlangt. Das heißt, dass möglicherweise nur noch Aktien als hartes Kapital gelten, nicht aber beispielsweise stille Einlagen, die Geldgeber mit mehr Rechten ausstatten.

Noch ist unklar, wie scharf die neuen Regeln ausfallen. Sollten die Regulierer die Beschlüsse streng auslegen, würde dies neben der Commerzbank vor allem Landesbanken treffen. Bei ihnen ist der Anteil "weichen" Kapitals besonders hoch. In Bankenkreisen gilt zwar als wahrscheinlich, dass es großzügige Übergangsfristen für die neuen Kapitalregeln geben wird. Dennoch geht in Deutschland die Angst um, hiesige Institute könnten ins Hintertreffen geraten. Doch auch in Europa und den USA ist die Frage, wie lange der Hunger der Investoren auf Bankaktien anhält. Nach Zahlen von Thomson Reuters haben Banken dieses Jahr bereits 236 Milliarden Euro Kapital aufgenommen. 2008 waren es sogar 175 Milliarden Euro. Doch dieses Geld kam hauptsächlich von Regierungen. Wollen alle Banken sich vom Staat freikaufen, dürften die Aktionäre Bankaktien bald satt haben - besonders schwächere Institute werden es dann schwer haben.

© SZ vom 30.09.2009/cmat

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