Bizarrer Streit um geschützte Markenfarbe Die Sparkasse sieht rot

Rot ist in Deutschland nur eine Bank: die Sparkasse - zumindest, wenn es nach deren Verband geht. Er ließ die Farbe Rot als Marke schützen. Andere Banken mit rotem Logo werden seither abgemahnt, nur Santander setzt sich zur Wehr. Das spanische Bankhaus kämpft um sein Recht aufs Rot.

Von Frederik Obermaier

Früher war für den Bankkunden alles einfacher, zumindest farblich gesehen: Die Dresdner Bank war grün, die Deutsche Bank blau - und die Sparkasse rot. Doch die Zeiten ändern sich. Die Dresdner Bank gibt es nicht mehr, die Deutsche Bank ist mittlerweile eine internationale Bank und rot, ja rot, ist nicht mehr nur die Sparkasse. Auch andere Bankhäuser locken mit diversen Variationen der Farbe. Zum Ärger der Sparkassen; sie pochen auf ihr Rot. Kleinere Konkurrenten gaben bereits nach - nur nicht Santander. In einem juristischen Kleinkrieg kämpft die spanische Großbank um ihr Recht aufs Rot.

Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken wollen von der einheitlichen Aufsicht der Europäischen Zentralbank ausgenommen werden.

(Foto: dapd)

Denn Rot ist auch die Farbe der Banco Santander: weiße Schrift auf rotem Grund, das ist das Logo der spanischen Bank, fast so wie bei den Sparkassen. Die klagten und bekamen im Februar vor dem Landgericht Hamburg recht. Schließlich hatte sich ihr Verband, der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, 2007 das Sparkassen-Rot - im Druckerdeutsch HKS 13 genannt - beim Deutschen Patent- und Markenamt schützen lassen.

Santander ist es nun verboten, "im geschäftlichen Verkehr die Farbe Rot (...) zu benutzen" - so schrieben es zumindest die Hamburger Richter in ihr 61 Seiten langes Urteil. Wenige Wochen später folgte eine einstweilige Verfügung. Es bestehe Verwechslungsgefahr mit der Sparkasse, befanden die Richter. Es war ein Punktsieg für die Sparkasse. Santander jedoch blieb stur und ging in Berufung.

Rot hat schließlich nicht nur bei der Sparkasse Tradition, sondern auch bei dem spanischen Bankhaus: Emilio Botín ließ 1986 die einst grauen Firmenlogos rot überpinseln, als er seinem Vater als Bankchef nachfolgte. Und was in Spanien gehe, müsse schließlich auch bei den 346 deutschen Filialen möglich sein, beharrt Santander. Erst im Frühjahr hatte die spanische Banco die deutschen Filialen der SEB Bank aufgekauft - und rot gefärbt. Santander sei der "festen Überzeugung", die Farbe auch in Deutschland benutzen zu dürfen, heißt es in einer Mitteilung.

Santander-Rot ist nicht gleich Sparkassen-Rot

Ohnehin möchte man meinen, eine Farbe gehöre niemandem. Markenrechtlich sieht das jedoch anders aus: Wenn die Bevölkerungsmehrheit eine Farbe mit einer Marke verbindet - etwa Magenta mit der Telekom oder Lila mit Milka - kann diese geschützt werden. Die Sparkasse hat dies getan - und geht seither massiv gegen ihre rote Konkurrenz vor: Die Norisbank und die GE Money Bank gaben bereits klein bei: Die Norisbank machte Orangerot zu ihrer neuen Firmenfarbe, die GE Money Bank soll rote Geldautomaten wieder abgebaut haben, nur Santander beharrte auf seinem Rot.

Genau genommen ist das Rot der Spanier auch nicht das Rot der 16.000 deutschen Sparkassen-Filialen: Santander hat sein Logo nach eigenen Angaben in HKS 14 gefärbt - und das ist einen Tick dunkler als das Sparkassen-Rot HKS 13. Warum der DSGV den Spaniern dennoch ihr Rot verbieten will? Keine Auskunft, heißt es dazu beim Sparkassen-Verband. Laufende Verfahren würden nicht kommentiert.

Santander hat indes die Löschung des Sparkassen-Markenrechts beantragt. Das Verfahren am Deutschen Patent- und Markenamt läuft. An der Farbe ändert es aber ohnehin nichts. Rot bleibt rot - allerdings wäre das nach einer Löschung wieder für alle da.