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Bieterfrist endet:"Landesbank Mitte"

Nur ein überraschendes Kaufangebot für die Gesamtbank in letzter Minute könnte eine Zerschlagung noch verhindern. Als möglicher Interessent war in den vergangenen Wochen ein chinesischer Investor ins Spiel gebracht worden. Beobachter halten das jedoch für unrealistisch. "Ein Verkauf an chinesische Investoren ist höchst unwahrscheinlich", sagt ein Investmentbanker. Als Hinderungsgrund für einen Einstieg der Chinesen gilt vor allem der enorme Zeitdruck. Ziel des Merz-Teams ist es nun offenbar, der EU eine Perspektive für möglichst viele Teile der Bank aufzuzeigen. In Finanzkreisen werden beispielsweise Finanzinvestoren wie Blackstone, Lone Star und KKR als potentielle Käufer genannt. Blackstone soll vor allem an der Westimmo interessiert sein.

Aber das Herausbrechen der einzelnen Teile gilt als schwierig, weil dann trotzdem große Teile der Bank mit einem hohen Personalbestand übrigbleiben.

Erschwert wird eine Lösung durch die unterschiedlichen Interessen der Eigentümer der WestLB. Die Regierung in Düsseldorf muss das Geld der Steuerzahler zusammenhalten. Sie hat bisher zu erkennen gegeben, dass sie nicht mehr an eine Fusion mit einer anderen Landesbank glaubt. Außerdem schiebt sie die politische Verantwortung der früheren Regierung zu. Die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen neigen einer internen Lösung im öffentlich-rechtlichen Sektor zu, aber nicht um jeden Preis. Der Bund aber will auf Biegen und Brechen eine Konsolidierung der Landesbanken erreichen, und hat bei der WestLB dazu auch einen Hebel in der Hand.

Als möglicher Lösungsweg gilt eine neue große "Landesbank Mitte", sie bezieht im ersten Schritt die Deka und die Helaba ein. Teile der WestLB würden dann ebenfalls eingebracht. Die NordLB, die LBB und die LBBW könnten später folgen und eine Zentralbank der Sparkassen bilden. Voraussetzung für eine solche Lösung ist der Verkauf der Deka an die Sparkassen, die bisher erst die Hälfte der Anteile besitzen. Die Gespräche dazu sind weit gediehen, aber den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen brennt die WestLB mehr auf den Nägeln als die Deka, sie wollen dem Deka-Kauf nur zustimmen, wenn diese gleich zumindest Teile der WestLB aufnimmt.

Eines aber verbindet alle Sparkassen und auch viele andere Banken: Muss die WestLB abgewickelt werden, drohen ihnen hohe Verluste.

© SZ vom 10.01.2011/odg
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