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Bieterfrist endet:WestLB vor der Zerschlagung

Die Regierung in Düsseldorf glaubt offenbar nicht mehr an eine Fusion mit anderen Landesbanken und setzt auf eine Zerschlagung. Doch die Filetierung des Instituts ist schwierig.

Helga Einecke und Martin Hesse

In Düsseldorf findet am Montag ein Krisentreffen zur Sanierung der Landesbank statt. Daran nehmen Vertreter der Eigentümer teil, also des Landes Nordrhein-Westfalen, des Bundes sowie der Sparkassen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Diskutiert werde ein stärkerer Stellenabbau sowie die Abgabe weiterer Aktivitäten. In Kreisen, die mit dem Verkaufsprozess vertraut sind, hieß es gegenüber der Süddeutschen Zeitung, nach Ende der Angebotsfrist müsse nun vor allem die Fortführung der Geschäfte gewährleistet werden. Die Bank müsse so lange gegen Risiken abgeschirmt werden, bis für die Einzelteile der WestLB Lösungen gefunden worden seien.

WestLB

Die Zentrale der WestLB in Düsseldorf.

(Foto: dpa)

Der von den Eigentümern mit dem Verkauf beauftragte CDU-Politiker und Wirtschaftsanwalt Friedrich Merz hatte möglichen Interessenten die Frist gesetzt, um unverbindliche Kaufangebote abzugeben. Merz und die beratende Investmentbank Morgan Stanley stellen sich aber offenbar darauf ein, dass keine Offerten für die WestLB als Ganzes eingehen. "Niemand wird ein Gebot für die gesamte Bank abgeben, solange nicht klar ist, welche Auflagen die EU der Bank macht. Das ist völlig unrealistisch", heißt es in Bankenkreisen.

Im Herbst hatte Merz noch von einer guten Handvoll Interessenten berichtet. Doch seitdem hat die EU-Kommission von der WestLB neue, drastische Umbaumaßnahmen gefordert. Brüssel ist der Auffassung, bei der Abspaltung von Wertpapieren und Krediten im Volumen von 77 Milliarden Euro in eine Bad Bank habe die WestLB unerlaubte Beihilfen des Bundes von 3,4 Milliarden Euro erhalten. Dieses Geld müsse die Bank entweder zurückzahlen oder einen neuen Umbau- und Sanierungsplan vorlegen. Dafür hat die EU eine Frist bis zum 15. Februar gesetzt. Welche Anforderungen Brüssel an diesen Plan stellt, ist weiter unklar. Die Rede ist von einer weiteren Schrumpfung um bis zu 40 Prozent, was unter anderem mit einem großen Stellenabbau einherginge. Diese Auflagen wären aber bei einer Zerschlagung der WestLB hinfällig.

Im Gespräch ist, die Bank in mehrere Geschäftsbereiche aufzuteilen und für diese getrennte Lösungen zu suchen. Solche Pakete könnten etwa aus dem Kapitalmarktgeschäft, dem Verbundgeschäft mit den Sparkassen, der Zertifikate-Plattform, dem internationalen Projektgeschäft sowie der Immobilientochter Westimmo bestehen. "Dadurch wird Wettbewerb zwischen möglichen Käufern für einzelne Teile geschaffen, etwa zwischen dem Sparkassenverbund und ausländischen Interessenten", sagt eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Der Plan birgt jedoch viele Fallstricke. Erstens muss jede Lösung so gestaltet sein, dass kein Risiko für die Weiterführung der Geschäfte besteht, auch bei einem Teilverkauf. Das könnte dadurch gewährleistet werden, dass weitere Teile in die Bad Bank geschoben oder mit Garantien abgeschirmt werden.

Zweitens aber könnte eine solche Abschirmung erneut eine Beihilfe erfordern, müsste also mit der EU abgestimmt werden. Drittens herrscht bislang unter den WestLB-Eignern Uneinigkeit über den Plan. Dennoch strebt Merz offenbar noch in dieser Woche eine Lösung an, weil ohnehin nur wenig Zeit bleibt, das Konzept mit der EU abzustimmen.

"Landesbank Mitte"

Nur ein überraschendes Kaufangebot für die Gesamtbank in letzter Minute könnte eine Zerschlagung noch verhindern. Als möglicher Interessent war in den vergangenen Wochen ein chinesischer Investor ins Spiel gebracht worden. Beobachter halten das jedoch für unrealistisch. "Ein Verkauf an chinesische Investoren ist höchst unwahrscheinlich", sagt ein Investmentbanker. Als Hinderungsgrund für einen Einstieg der Chinesen gilt vor allem der enorme Zeitdruck. Ziel des Merz-Teams ist es nun offenbar, der EU eine Perspektive für möglichst viele Teile der Bank aufzuzeigen. In Finanzkreisen werden beispielsweise Finanzinvestoren wie Blackstone, Lone Star und KKR als potentielle Käufer genannt. Blackstone soll vor allem an der Westimmo interessiert sein.

Aber das Herausbrechen der einzelnen Teile gilt als schwierig, weil dann trotzdem große Teile der Bank mit einem hohen Personalbestand übrigbleiben.

Erschwert wird eine Lösung durch die unterschiedlichen Interessen der Eigentümer der WestLB. Die Regierung in Düsseldorf muss das Geld der Steuerzahler zusammenhalten. Sie hat bisher zu erkennen gegeben, dass sie nicht mehr an eine Fusion mit einer anderen Landesbank glaubt. Außerdem schiebt sie die politische Verantwortung der früheren Regierung zu. Die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen neigen einer internen Lösung im öffentlich-rechtlichen Sektor zu, aber nicht um jeden Preis. Der Bund aber will auf Biegen und Brechen eine Konsolidierung der Landesbanken erreichen, und hat bei der WestLB dazu auch einen Hebel in der Hand.

Als möglicher Lösungsweg gilt eine neue große "Landesbank Mitte", sie bezieht im ersten Schritt die Deka und die Helaba ein. Teile der WestLB würden dann ebenfalls eingebracht. Die NordLB, die LBB und die LBBW könnten später folgen und eine Zentralbank der Sparkassen bilden. Voraussetzung für eine solche Lösung ist der Verkauf der Deka an die Sparkassen, die bisher erst die Hälfte der Anteile besitzen. Die Gespräche dazu sind weit gediehen, aber den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen brennt die WestLB mehr auf den Nägeln als die Deka, sie wollen dem Deka-Kauf nur zustimmen, wenn diese gleich zumindest Teile der WestLB aufnimmt.

Eines aber verbindet alle Sparkassen und auch viele andere Banken: Muss die WestLB abgewickelt werden, drohen ihnen hohe Verluste.

© SZ vom 10.01.2011/odg
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