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Betrugsskandal:Unterwegs in Madoff-Country

An diesem Montag wird das Urteil gegen den Jahrhundert-Betrüger Madoff gesprochen. Zeit, um an den Ort zurückzukehren, an dem alles begann: Floridas Reichenviertel Palm Beach.

Dort vorne, im Süden der Landzunge, liegt das Gebiet, das sie Gaza-Streifen nennen. Die Straße weitet sich und gibt den Blick frei auf die Bucht. Das Wasser wirkt wie Blei, grau und träge. Eine Wand aus Wolken und Regen zieht heran. Auf der anderen Straßenseite verbergen fünfstöckige Apartmenthäuser das offene Meer.

Salon Margrit

Die Deutsche Margrit Bessenroth lebt seit 40 Jahren in Palm Beach. Seit dem Madoff-Skandal bleibt die Kundschaft aus.

(Foto: Foto: Koch)

Zwischen ihnen breiten sich Grünflächen und Tennisplätze aus, vor ihnen stehen kleine Wachhäuser, die mit ihren Schranken und Flaggen an Grenzposten erinnern. Doch der eigentliche Grund, warum die Gegend ihren Namen trägt, sind die Anwohner. Der Gaza-Streifen ist das Viertel der Leute, die hier als klein gelten. Nichts beschreibt die Dekadenz von Palm Beach besser, als die Geringschätzung des Gewöhnlichen.

Palm Beach vor der Ostküste Floridas ist eine eigene Welt, abgeschnitten vom normalen Amerika. Auf dem nördlichen Teil der Landzunge residiert der amerikanische Geldadel hinter turmhohen Hecken, in Anwesen groß wie Einkaufszentren, europäischen Palais nachempfunden oder lateinamerikanischen Haciendas.

Eine Ferienvilla in Palm Beach ist der immergültige Ausweis des größtmöglichen Erfolgs. Wer es hierher geschafft hat, ist oben angekommen und wird Nachbar von Rod Stewart, Donald Trump und den Kennedys. Der Ort mit seinen Palmenalleen ist prächtig und doch dezent. Die Bewohner geben sich Mühe, dass ihr enormer Reichtum unsichtbar bleibt - und dass sich Besucher nicht willkommen fühlen.

"Die Leute ziehen sich zurück"

Es gibt kaum öffentliche Zugänge zum Strand. Und wo es sie gibt, fehlen Parkplätze und Toiletten. Die Gemeinde, die sich als Insel der Glückseligkeit vermarktet, ist auf barsche Abweisung gegründet. Und seit sie als Schauplatz des größten Schwindels der Finanzgeschichte Schlagzeilen macht, scheinen die Hecken noch höher gewachsen und die Einwohner noch verschwiegener geworden zu sein. Palm Beach ist das Epizentrum des Madoff-Skandals. Doch den Namen des Betrügers nimmt kaum einer in den Mund.

"Die Leute ziehen sich zurück", sagt Margrit Bessenroth. "Aus Scham über ihren Verlust." Seit 40 Jahren lebt die Deutsche in Palm Beach. Ihr schallendes Lachen ist ortsbekannt und der Schönheitssalon, den sie im Zentrum betreibt, eine beliebte Adresse. Frauen und Gespielinnen der Multimillionäre lassen sich hier unerwünschte Härchen zupfen oder das Gesicht mit Botox glätten. Margrit Bessenroth hat ihren Betrieb erst vor zwei Jahren vergrößert, doch die Räume sind menschenleer. "Das ist normal", sagt sie. Schließlich sei der Sommer Nebensaison. Dennoch ist sie nervös. Sie fragt sich, was alle Unternehmer in Palm Beach beschäftigt: "Werden die Kunden zurückkommen, wenn die Saison wieder losgeht?" Die Zukunft ist ungewiss im ersten Jahr nach Madoff.

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