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Betrug mit gefälschtem Gold:Autobahngold glänzt - ist aber wertlos

Die Schmuckstücke sehen echt aus, haben sogar eine Prägung. Zur Urlaubszeit versuchen Ganoven auf Autobahnrasthöfen, Reisende mit gefälschtem Schmuck zu betrügen. Wer auf ein Schnäppchen hofft, wird oft enttäuscht.

Als die Beamten sein Handschuhfach ausgebaut hatten, war schnell klar, dass der Mann und seine vier Freunde nicht spazieren gehen wollten. Das hatten sie nämlich gesagt, als die Polizei sie im März bei Rosenheim auf der Autobahn Richtung München kontrollierte und nach dem Reiseziel fragte. Warum sie mehr als 500 goldene Ringe hinter dem Handschuhfach versteckt hatten, konnten sie nicht mehr plausibel erklären.

Ohne die Kontrolle wäre es etwa so gelaufen: Verteilt an Bahnhöfen, Restaurants und Autobahnrastplätzen postieren sich die Betrüger und täuschen eine Notlage vor. Kein Benzin mehr im Tank und kein Geld mehr in der Tasche, irgendetwas halbwegs Glaubhaftes. Anstatt zu betteln, bieten sie ihren geliebten Goldring an, von dem sie sich schweren Herzens für 100 Euro trennen. Oder sie versprechen den angeblich so wertvollen Ring als eine Art Pfand, um das Geld später zurückzuzahlen. Als Beweis für seinen Wert dient ihnen die Prägung auf der Innenseite. Im Fall der 500 Ringe von Rosenheim stand dort "585". Das muss doch echtes Gold sein. Was für ein Glück: Der Goldpreis steigt wieder, ist aber noch lange nicht so hoch wie vor wenigen Jahren. Winkt da nicht ein schnelles Schnäppchen?

Schön wär's. "Der Laie ist mit der Einschätzung eines Materials beim Schmuck völlig überfordert", sagt Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbands der Juweliere. "Wenn das mühevoll gemacht ist, oft sogar vergoldet, sieht das niemand mit bloßem Auge." Jahr für Jahr häufen sich bei Goldhändlern und Juweliergeschäften die Fälle von enttäuschten Kunden, die im Laden stehen und wissen wollen, was der Schmuck wert ist, den ihnen jemand an der Raststätte angedreht hat: leider fast nichts. "Autobahngold" - so sind die wertlosen Ringe, Ketten und Armbänder bekannt geworden.

"Die kriminelle Energie nimmt dann zu"

Die Masche ist uralt, scheint sich aber immer noch zu lohnen. Zur Urlaubszeit mehren sich wieder die Fälle, in denen Leute leichtsinnig auf die Geschichten von Betrügern eingehen, warnen Goldhändler und Polizei wieder vor Tricks mit Falschgold. Gerade im Sommerurlaub, wenn das Geld lockerer sitzt, sind viele Leute besonders empfänglich für Fälschungen. "Auch wenn die Sonne scheint, sollte man seinen Verstand mit in den Urlaub nehmen", sagt Dünkelmann. Es ist ja auch offensichtlich: Niemand würde echtes Gold so drastisch unter Wert verkaufen, wie es Betrügerbanden an der Autobahn tun. Für die wächst mit einem steigenden Goldpreis auch der Anreiz, ihr Glück zu versuchen: "Die kriminelle Energie nimmt dann zu", sagt Dünkelmann.

In den Urlaubsregionen selbst haben viele Händler gut gefälschte Ware im Angebot, die auch nicht unbedingt komplett wertlos ist. "Oft ist aber nicht das drin, was draufsteht", sagt Hugo Hagen, Chef des Schmelzbereichs beim Edelmetall-Handelshaus Pro Aurum.

Der Stempel, Punze genannt, ist in Deutschland freiwillig, seine Form aber gesetzlich vorgeschrieben. Demnach muss der Goldgehalt als ganzzahlige Promilleangabe - beispielsweise 750 für 750 von 1000 - eingeprägt sein. Im Ausland gelten teils andere Regeln. Die Punze allein kann also unterschiedlich aussehen und ist besonders leicht zu fälschen. Sicher sein kann nur, wer seinen Schmuck beim Händler des Vertrauens kauft - und nicht an der Autobahn oder am Strand.

© SZ vom 03.07.2014/jasch

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