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Bernd Förtsch:Die neuen Geschäfte des Mr. Dausend

Bernd Förtsch brachte es im Börsenboom zu zweifelhaftem Ruhm, jetzt versorgt er Investoren auf vielen Kanälen mit Anlagetipps.

München - Im Herbst 2006 hatte Bernd Förtsch hohen Besuch: Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber schaute beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF) in Kulmbach vorbei.

Das DAF, das seit Anfang August 2006 wochentags von 9 bis 22 Uhr ein Sammelsurium von Beiträgen rund um das Thema Fonds, Zertifikate und Aktien im Internet sendet, ist der jüngste Ableger von Förtschs Börsenmedien AG, und so ein Neuling kann Unterstützung gebrauchen.

"Finanzzentrum Kulmbach"

"Edmund Stoiber fachsimpelt bei DAF mit Börsenprofis", war deshalb auf der Homepage des Fernsehsenders zu lesen, ja sogar vom "Finanzzentrum" Kulmbach war die Rede.

Natürlich kann die 30.000-Seelen-Gemeinde in Oberfranken nicht mit Frankfurt oder München konkurrieren. Aber Förtsch herrscht hier zumindest über ein beträchtliches Netzwerk von Firmen, mit denen wohl schon viele Anleger in Deutschland in Berührung gekommen sind, ohne aber zu wissen, dass dabei ein Mann im Hintergrund die Fäden zieht:

Bernd Förtsch, zur Boomzeit des Neuen Marktes einer der gefragtesten Tippgeber in der Fernsehsendung 3sat-Börse und später wegen seiner allzu gewagten Kursziele und seines fränkischen Dialekts als "Mr. Dausend Euro" (Manager Magazin) verspottet.

Breit gestreute Anleger-Information

Zu dem Reich des Oberfranken gehört nicht nur das DAF, das nach eigenen Angaben inzwischen 60.000 bis 80.000 Interessierte nutzen. Unter dem Dach seiner Börsenmedien AG wird auch die Zeitschrift Der Aktionär mit einer wöchentlichen Auflage von knapp 40.000 Exemplaren herausgegeben. Hinzu kommen sieben Börsenbriefe wie der Nanotech-Report oder der Biotech-Report, ergänzt von diversen Büchern.

Neuerdings tritt Förtsch mit dem Online-Broker Flatex gegen die Platzhirsche DAB, Comdirect und Cortal Consors an. Außerdem beraten er und sein Team sechs Fonds unter dem Label DAC. Nur seine Telefonhotlines, auf denen der Schnauzbartträger zum Minutenpreis von einst 2,42 DM (1,24 Euro) seine "Favoridn" aus dem Neuen Markt anpries, wurden 2004 eingestellt.

Hansdampf in eigener Sache

Schon während des Börsenbooms zur Jahrtausendwende, als die Deutschen wie verrückt Aktien kauften, deren Namen sie gerade buchstabieren konnten, galt Förtsch als ein umtriebiger Aktienguru in eigener Sache.

Ob im Fernsehen, in seiner Zeitschrift Der Aktionär oder am Telefon - immer wieder empfahl der Kulmbacher kleine, marktenge Werte, die teilweise in den von ihm beratenen Fonds steckten. Die Staatsanwaltschaft konnte ihm jedoch kein unsauberes Handeln nachweisen. Ein Ermittlungsverfahren gegen Förtsch wurde deshalb eingestellt.

Den stellvertretenden Chefredakteur seines Anlegermagazins Der Aktionär, Sascha Opel, verurteilte das Stuttgarter Landgericht dagegen wegen versuchter Kursmanipulation zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Opel soll im Herbst 2000 für sich und Investoren Aktien gekauft und anschließend mit Gewinn verkauft haben. Zugleich hatte er die Papiere von ihm beratenen Fonds empfohlen.

Damals hatten die Förtsch-Fonds ein Volumen von etwa 1,5 Milliarden Euro. Heute misst der größte von Förtsch beratene Fonds, der Vermögensaufbau-Fonds, ein Volumen von 100 Millionen Euro. Einige der von ihm empfohlenen Unternehmen sind längst vom Markt verschwunden, aber der Kulmbacher ist immer noch unterwegs als "unermüdlicher Hansdampf in eigener Sache", wie das Fachblatt Wirtschaftsjournalist schreibt.