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Berlin-Adlershof:Hightech mit Schreibtisch

Zentrum für Photonik und Optische Technologien

Das Zentrum für Photonik und Optische Technologien ist in zwei Glasbauten untergebracht. Die Farben stehen für den Wechsel von Tag und Nacht.

(Foto: Berlin Adlershof)

Die ersten Unternehmen haben schon ihre "OfficeLabs" bezogen. Das neue Gebäudekonzept verbindet Büro- mit Spezialflächen, zum Beispiel für Labore.

Auf dem Boden der Halle sieht man noch die Schleifspuren, wo vor Kurzem eine schwere, mannshohe Maschine abtransportiert worden ist. Bis zur nächsten Montage ist für eine Weile viel Platz unter der 4,50 Meter hohen Decke. Die Räume nebenan sind kleiner und niedriger. Dort stehen einige Exemplare der Laser-Mikrotechnologie Dr. Kieburg GmbH. Das Unternehmen baut hier an der James-Franck-Straße in Berlin-Adlershof Lasergeräte, die in der industriellen Produktion und in der Forschung verwendet werden. Neben der herkömmlichen Montage wird auch in einem Reinraum gearbeitet, der staubfrei sein muss. Der Laborbereich samt großer Halle umfasst 500 Quadratmeter, direkt nebenan nutzt das Unternehmen noch 300 Quadratmeter Bürofläche. Im Mai hat Geschäftsführer Heinz Kieburg mit seinem Unternehmen die neue Betriebsstätte bezogen und war damit erster Mieter in einem neuen Gebäudetyp, dem "Office Lab".

"Die deutsche Wirtschaft von heute und morgen benötigt Gewerbeimmobilienkonzepte, die verschiedenste und technisch teilweise sehr komplexe Flächen Tür an Tür vereinen", sagt Klaus Pahl, Prokurist der immobilien-experten-ag., die das Office Lab entwickelt hat und nun in Berlin Adlershof baut. "In der deutschen Wirtschaft verlagert sich der Schwerpunkt an vielen Standorten zunehmend von einer industriellen Produktion hin zur Ausübung von Schlüsselfunktionen wie Forschung und Entwicklung - und dieser Trend wird sich fortsetzen."

Wie der Name andeutet, verbindet das neue Gebäudekonzept Büro- mit Spezialflächen für Labore der neuen Generation. Die Anforderungen können von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein und sehr ins Detail gehen. Während das eine Unternehmen elektrisch ableitfähige Boden benötigt, legt das andere aufgrund seiner Tätigkeit großen Wert auf hohe Wischfähigkeit. Mal sind schwingungsgedämpfte Räume gefragt, mal wird extrem hoher Strombedarf angemeldet. Regelmäßige Themen sind Zu- und Abluft sowie exakte Klimatisierung. "Wir haben schon im ersten Office Lab die Bodenplatte des Laborbereichs abgesenkt, damit dort eine Maschine installiert werden kann, bei der ein bestimmter Teil genau ebenerdig liegen muss", berichte Pahl. "Da hat sich gezeigt, dass es von Vorteil ist, die Mieter schon vor dem Bau zu kennen."

Grenzen sind lediglich durch die Außenmaße der Gebäudehülle gesetzt. Das Innenleben kann auf Wunsch maßgeschneidert werden: von der Versorgungsinfrastruktur über den Grundriss bis zur Erschließung, wie etwa Zahl und Größe der Tore im hinteren Bereich, wo Lkw vorfahren können. Zwischen der Straße und dem Laborbereich steht das Bürogebäude. Beide Segmente sind im Erdgeschoss durch gläserne Durchgänge miteinander verbunden.

"Entscheidend ist die Vernetzung beider Gebäudeteile."

"Mit Blick auf die Büros äußern Mieter in deutlich geringerem Maße individuelle Wünsche", sagt Pahl. "Entscheidend ist aber die Vernetzung beider Gebäudeteile." Große Datenmengen zwischen Labors und Büros austauschen zu können, zähle zu den Grundvoraussetzungen. In je einem Serverraum und einem Serverschrank direkt am Durchgang befindet sich die digitale Schnittstelle zwischen Lab und Office. Wie viele Quadratmeter ein Unternehmen im Bürogebäude und im dahinter liegenden Laborbereich benötigt, kann im Einzelfall vereinbart werden. Die Flächen lassen sich teilen. Bei vielen Unternehmen und Forschungseinrichtungen ist eine Kombination von Büro, Labor und Montage, wie man sie im Office Lab hat, über die Jahre gewachsen. "Die Kombination dieser Segmente ist zwar keine neue Erfindung", so Pahl. "Aber wir bieten erstmals Immobilien an, die für solch einen wachsenden Bedarf aus einem Guss konzipiert wurden."

Die Wissenschaftsstadt Berlin Adlershof umfasst ein Gebiet von 4,2 Quadratkilometern; dort arbeiten und studieren mehr als 25 000 Menschen. Allein der Wissenschafts- und Technologiepark zählt 512 Unternehmen und zehn außeruniversitäre Forschungsinstitute. Sie konzentrieren sich auf: Photonik und Optik, Photovoltaik und erneuerbare Energien, Mikrosysteme und Materialien, Informationstechnik (IT) und Medien, Biotechnologie und Umwelt. Hinzu kommen sechs naturwissenschaftliche Institute der Humboldt-Universität zu Berlin.

Vier von fünf Unternehmen im Wissenschafts- und Technologiepark kooperieren mit mindestens einem anderen Standortunternehmen, etwa 40 Prozent arbeiten mit mindestens einer außeruniversitären Forschungseinrichtung und fast 30 Prozent mit einem Institut der Humboldt-Universität zusammen.

In unmittelbarer Nachbarschaft ist neben der Medienstadt mit ihren 147 Unternehmen ein Ensemble von mittlerweile 382 gewerblichen Unternehmen, Geschäften, Hotels und Restaurants entstanden. Hier, wie auch auf dem 45 Hektar großen Areal des 1998 geschlossenen Verschiebebahnhofs Schöneweide, stehen dem Wissenschafts- und Technologiepark Flächen für weiteres Wachstum zur Verfügung.

Im Rahmen des von der immobilien-experten-ag. entwickelten Projekts "Am Oktogon - Campus für Gewerbe und Technologie" entstehen mehr als 80 000 Quadratmeter Mietfläche für Büro-, Labor-, Produktions-, Service- und Lagernutzung. Das Office Lab H1 ist der dritte von 15 Neubauten auf dem 55 000 Quadratmeter großen Areal. Mit dem Bau des vierten Komplexes, dem an der Rudower Chaussee gelegenen Büro- und Laborgebäude B3, wurde bereits begonnen.