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BayernLB:Ende eines Statthalters

Die von der BayernLB für viel Geld übernommene Hypo Group Alpe Adria braucht einen neuen Vorstandschef - und 700 Millionen Euro.

In den vergangenen beiden Jahren sind bayerische Minister und Vorstände der Landesbank gerne nach Kärnten gefahren. Aber nicht so sehr wegen des schönen Wörthersees, sondern in der Hoffnung auf tolle Geschäfte. Fast 1,7 Milliarden hat sich die BayernLB die mehrheitliche Übernahme der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) kosten lassen; einer Großbank, die von Klagenfurt aus auf dem halben Balkan operiert. Die BayernLB wollte so ihre internationale Expansion vorantreiben.

Alpe Adria, AP

Die Hypo Group Alpe Adria sucht einen neuen Chef - und braucht 700 Millionen Euro.

(Foto: Foto: AP)

Wenn bayerische Politiker und Landesbanker demnächst wieder nach Kärnten fahren, wird es um weniger erfreuliche Anlässe gehen. HGAA-Vorstandschef Tilo Berlin hat am Mittwoch überraschend seinen Rücktritt zum 30. April erklärt. Nun muss schnell ein Nachfolger her, und nicht nur das. Die zuletzt von der BayernLB und der Republik Österreich mit 1,6 Milliarden Euro gestützte HGAA braucht erneut Geld, dieses Mal 700 Millionen Euro. Für diesen Betrag soll das Land Kärnten haften. Das will die dortige Regierung aber nur tun, wenn die angeschlagene BayernLB bei ihrer Sanierung die HGAA schont.

Entscheidung bis Ende März

Die Kärntner Tochterbank soll eigenständig bleiben, dort sollen auch keine Stellen gestrichen werden, verlangt Finanzlandesrat Harald Dobernig, der sich in der Landesregierung um das Geld kümmert. Er ist gewissermaßen der Finanzminister von Kärnten. "Je besser unsere Bedingungen für die HGAA erfüllt werden, desto höher ist die Bereitschaft von Kärnten, für die 700 Millionen Euro zu haften", sagte Dobernig der Süddeutschen Zeitung. Bis Ende März müsse klar werden, "wohin die Reise geht".

Streit zwischen München und Klagenfurt ist programmiert. Das zeigt auch der Umgang mit Bankchef Berlin. Nach dessen Rücktrittserklärung lobte ihn Dobernig prompt für seine "hervorragende Arbeit." Dobernig: "Unser Dank gilt ihm dafür, dass er dabei auch immer die Interessen des Landes Kärnten im Auge behalten hat." Berlin, ein geschäftstüchtiger Investor, Banker und Öko-Bauer, soll sich in den vergangenen Wochen gegen Sparpläne aus München gewehrt haben. 19.200 Stellen gibt es im Finanzkonzern der BayernLB, davon 7000 bei der HGAA. Wenn nun wie geplant 5600 Stellen konzernweit gestrichen werden, soll nach Angaben aus Bankkreisen die HGAA mit ihren Osteuropabeteiligungen besonders stark bluten.

An der kurzen Leine

Seit Wochen sollen die Drähte zwischen München und Klagenfurt heiß gelaufen sein. Ein letztes Gespräch zwischen BayernLB-Chef Michael Kemmer und Berlin am Dienstag leitete dann den Rücktritt ein. Dass die Landesbank noch keinen Nachfolger für Berlin hat, zeigt vor allem eines: Am Ende ging es schnell. Berlin spricht auch ganz offen über die Differenzen. Die BayernLB habe "eigene Vorstellungen über die Zukunft" der HGAA, begründete der Kärntner Bankchef seien Rückzug. Berlin hatte seine Gäste stets selbstbewusst empfangen und die Balkan-Bank dabei in höchsten Tönen gelobt. "Die Leute hier haben Drive, können feiern und sind keine typischen Nadelstreifentypen". Manche Zuhörer empfanden das als Seitenhieb auf die Landesbanker auf der anderen Seite der Alpen.

Nun zeichnet sich ab, dass die BayernLB ihre kostspielige Tochter in Kärnten an die kurze Leine nehmen will. Die Landesbank hatte der HGAA erst im Dezember 700 Millionen Euro als zusätzliches Eigenkapital gegeben. Hinzu kamen Garantien der Republik Österreich in Höhe von 900 Millionen Euro. Nun will sich die HGAA weitere 700 Millionen Euro über eine Anleihe auf den internationalen Finanzmärkten besorgen. Damit das Geld auch fließt, soll das Land Kärnten haften, also die spätere Rückzahlung garantieren. Gebraucht werden die vielen Millionen nach Angaben von Finanzlandesrat Dobernig für "die Versorgung der Betriebe in Kärnten mit Krediten und das weitere Wachstum der Bank in Osteuropa".

Für seine Regierung sei ganz klar, sagt Dobernig, dass die Konzernzentrale der HGAA in Klagenfurt bleiben und die Bank weiter von dort aus geführt werden müsse. "Wenn zu Lasten von Kärnten restrukturiert wird, dann wird sich unser Interesse, für die 700 Millionen Euro zu haften, in Grenzen halten." Mit diesem Druckmittel will sich das Land Kärnten, das nur noch mit 12,5 Prozent an der HGAA beteiligt ist, gegenüber Bayern durchsetzen. Der Freistaat, der die eigene Landesbank bereits mit zehn Milliarden Euro stützt, kann sich neuerliche Finanzhilfen für die BayernLB und deren Töchter eigentlich nicht mehr leisten.