Bayern-LB-Chef Kemmer Landesbankchef mit heikler Mission

Kaum zwei Jahre nach seinem Wechsel zur BayernLB steht Michael Kemmer an der Spitze der Landesbank - und vor einer verworrenen Aufgabe. Mit der Rolle des Hoffnungsträgers kennt er sich allerdings aus.

Von Caspar Busse

Es war eine Überraschung, als im Juli 2006 Michael Kemmer zur Bayerischen Landesbank wechselte. Der hochgewachsene, sportlich wirkende Banker wurde damals zum neuen Finanzvorstand des halbstaatlichen Kreditinstituts ernannt und sollte Konzernchef Werner Schmidt entlasten, der bis dahin in Personalunion den Bereich Finanzen mitbetreute.

Aufstieg in kürzester Zeit: BayernLB-Chef Kemmer.

(Foto: Foto: dpa)

Die Personalie war deshalb überraschend, weil Kemmer nicht aus dem Lager der Landesbanken und Sparkassen kam. Stallgeruch gehörte bis dahin eigentlich zu den Voraussetzungen für eine Karriere bei der BayernLB.

Offener und umgänglicher Führungsstil

Jetzt, kaum zwei Jahre später, hat es Kemmer, 50, geschafft: Er ist ganz oben. Er wurde überraschend schnell zum Nachfolger von Werner Schmidt bestimmt, dem die Kreditkrise mit milliardenschweren Fehlspekulationen zum Verhängnis wurde. Auch mangelhafte Kommunikation lasteten die Bankaufseher dem gebürtigen Schwaben Schmidt, 64, an, der sein Amt zum 1. März niederlegen wird. Er war 2001 nach München gekommen, um die Bank nach der Kirch-Krise zu führen.

Michael Kemmer ist für einen umgänglichen und offenen Führungsstil bekannt, was ihn von seinem Vorgänger stark unterscheidet. Der Bilanzierungsexperte und Fachmann für Kreditrisiken tritt meist locker auf, kann komplizierte Sachverhalte anschaulich erklären. Dem gelernten Bankkaufmann, der an der Uni München in Betriebswirtschaftslehre promovierte, fehlt aber ein ausgeprägtes Netzwerk in der Politik und in der Sparkassenwelt - das könnte bei der anstehenden Neuausrichtung der Bank ein Nachteil sein.

Auf der anderen Seite muss Kemmer bei dem Neuanfang keine falschen Rücksichten nehmen. Nach wie vor befindet sich die BayernLB am Gängelband der Politik und der bayerischen Sparkassen - beide Lager halten jeweils 50 Prozent an der Bank und sind sich offenbar nicht einig über den künftigen Kurs. CSU-Chef Erwin Huber, als Finanzminister auch stellvertretender Vorsitzender des BayernLB-Verwaltungsrats, hat zuletzt ein Zusammengehen mit der Landesbank Baden-Württemberg verhindert.

Auf der anderen Seite arbeitet Sparkassenchef Siegfried Naser an einer Lösung für die BayernLB - sei es eine Kooperation oder eine Fusion. Kemmer hat es also mit einer verworrenen Gemengelage zu tun. Dazu kommt: Die Bank hat mit Kreditrisiken zu kämpfen und hohe Belastungen zu verkraften. Eine schlüssige Geschäftsstrategie fehlt der Landesbank.

Test für die Leidensfähigkeit

Kemmer muss nun das schaffen, woran Schmidt gescheitert ist. Er kennt sich zumindest mit der Rolle als Hoffnungsträger aus, die hatte er schon einmal bei der Hypo-Vereinsbank. 2003 stieg er in den HVB-Vorstand auf und leitete das Risikomanagement. Diese Funktion sollte er auch nach der Übernahme durch den italienischen Unicredit-Konzern übernehmen.

Kemmer sollte einer der wenigen Deutschen mit Führungsposition im Mailänder Konzern werden. Doch Kemmer kam mit dem autoritären Führungsstil von Unicredit-Chef Alessandro Profumo nicht zurecht, er fühlte sich gegängelt und kündigte. Bei der Bayern LB muss er wohl auch Leidensfähigkeit mitbringen.