Bausparkassen im Vergleichstest Häuslebauer werden schlecht beraten

Immobilien gelten nach wie vor als sichere Vorsorge fürs Alter.

(Foto: DAH)
  • Nur LBS Baden-Württemberg, Wüstenrot und LBS Ost erreichen im Vergleichstest aller 20 Bausparkassen in Deutschland die Gesamtnote "gut". Untersucht hatte die Stiftung Warentest den aus Kundensicht empfehlenswertesten Anbieter.
  • LBS West, Aachener, Deutsche Bank Bauspar und LBS Rheinland-Pfalz fallen dagegen bei der Stiftung Warentest mit "mangelhaft" durch. Hier zahlen Kunden selbst im Vergleich zu ungünstigen Bankangeboten noch drauf.
Von Stephan Radomsky

Drei Mal "gut" - und vier Mal "mangelhaft"

Der Häuslebauer ist, das verrät bereits das Idiom, ein Südwestdeutscher. So gesehen verwundert es also kaum, dass die beiden besten Bausparkassen im Land aus dem Ländle stammen: Die Landesbausparkasse (LBS) Baden-Württemberg und Wüstenrot sind einem am Dienstag vorgestellten Vergleich der Stiftung Warentest zufolge die aus Verbrauchersicht empfehlenswertesten Anbieter - in einer insgesamt schwachen Konkurrenz.

Finanztest-Chefredaktuer Heinz Landwehr sagt: "Die Bausparkassen beraten heute besser als früher". Dennoch gebe es viel Verbesserungsbedarf: In der Gesamtbewertung schafften von den 20 deutschen Bausparkassen gerade drei die Testnote "gut", die LBS Ost war "befriedigend". Vier Anbieter, die LBS West, Aachener, Deutsche Bank Bauspar und LBS Rheinland-Pfalz, fielen dagegen mit "mangelhaft" durch, vor allem wegen schlechter Angebote.

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Marktführer nur Mittelmaß

Marktführer Schwäbisch Hall schaffte es in dem Vergleich mit Rang acht nur ins Mittelfeld. Und auch die Geschäftserwartungen der Schwaben sind mittelmäßig: Sie rechnen im laufenden Jahr zwar wieder mit einem Geschäft von mehr als 30 Milliarden Euro. Das wäre aber erneut deutlich weniger als im Rekordjahr 2013. Zudem wollte Schwäbisch-Hall-Chef Reinhard Klein "nicht grundsätzlich ausschließen", dass die Bausparkasse in diesem Jahr hochverzinste Altverträge kündigt.

Bausparen ist "eine prima Idee"

Die gesamte Branche leidet unter dem derzeit niedrigen Zinsniveau. Genau diese niedrigen Zinsen, gepaart mit staatlicher Riester-Förderung und gestiegenen Immobilienpreisen machen das Bauspar-Modell aber für die Kunden interessant. Und das, so stellt die Stiftung Warentest klar, völlig zu Recht: Für Kunden, die ein Eigenheim bauen oder kaufen wollen, sei Bausparen "eine prima Idee", sagte Landwehr. Allerdings sei dies nur der Fall, wenn der Vertrag genau auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt wurde. Denn risikoarme Geldanlagen bei der Bank bringen ebenfalls nur niedrige Guthabenzinsen, mit einem Bausparer sichern sich Kunden aber zudem ein Darlehen zu den heute historisch günstigen Zinssätzen.

Vergleich aller Bausparkassen

Die Aufgabenstellung für die Bausparkassen-Berater war daher denkbar einfach: Der Testkunde mit einem Monats-Netto von 2200 Euro wollte in zehn Jahren eine Immobilie finanzieren. Bis dahin könnte er den Vertrag mit 400 Euro monatlich besparen und verfüge zudem bereits über 15 000 Euro Kapital. Mit dieser Hintergrundgeschichte vereinbarten die Tester bei jeder der 20 deutschen Bausparkassen Beratungstermine in je sieben verschiedenen Geschäftsstellen. Im Anschluss wurden die Angebote hinsichtlich der Qualität der Beratung, der Kundeninformation und der Vertragskonditionen verglichen und bewertet.

Falschberatung kann Tausende Euro kosten

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Die häufigsten Beratungsfehler waren demnach zu hohe Bausparsummen, eine unnötig hoher Sparanteil und nicht ausgeschöpfte Riester-Förderungen. Jeder führt dazu, dass der Kunde am Ende in der ein oder anderen Form Geld verschenkt: Etwa, weil er nicht zum gewünschten Zeitpunkt über die Bausparsumme verfügen kann oder, weil er im Vergleich zu viel Geld zu einem mickrigen Zinssatz spart und ihm Fördergelder und Steuervorteile entgehen.

Unter dem Strich hätten die Testkunden so bei jedem fünften Angebot draufgezahlt, im Extremfall bis zu 13 000 Euro. Und das, obwohl die Warentester zum Vergleich einen Sparplan über zehn Jahre mit lediglich 1,5 Prozent Zinsen und einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von dann 5,25 Prozent zugrunde legten. Gute Bausparer schlugen Sparplan und Kredit dagegen leicht um mehr als 5000 Euro.

Vollständige Unterlagen sind entscheidend

Hinzu kamen den Testern zufolge teilweise unsinnig hohe Tilgungsraten von bis zu 70 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens und häufig lückenhafte Angebotsinformationen. So fehlten in den Papieren teils entscheidende Eckdaten wie Höhe oder Laufzeit des Darlehens, Kreditrate oder voraussichtliches Zuteilungsdatum des Bausparvertrags. Fast 20 Prozent der Tester verließen das Beratungsgespräch ganz ohne Spar- und Tilgungsplan oder eine realistische Skizze der späteren Immobilienfinanzierung. Denn meist deckt der Bausparvertrag nur einen Teil der Kosten, der Rest kommt aus einem Hypothekendarlehen. Ohne vollständige und konkrete Daten lässt sich aber schwer abschätzen, ob der Traum vom eigenen Haus überhaupt realistisch ist und wo es das beste Finanzierungsangebot gibt.

Im Ernstfall sollten sich Kunden deshalb nicht auf ihr Bauchgefühl verlassen. Auch die Tester fühlten sich nach den Gesprächen oft gut beraten - und lagen teils völlig daneben, wie die anschließende Analyse der Angebote zeigte. Häuslebauer sollten deshalb vor dem ersten Spatenstich erst einmal penibel nachrechnen, wo es am günstigsten ist. Ganz schwäbisch eben.