Barrierefreies Wohnen Gefangen im Dachgeschoss

Ohne Fahrstuhl wird für viele Ältere die Wohnung zum Gefängnis. Ein Umzug ins Erdgeschoss und eine Umgestaltung der Wohnung können ihnen den Alltag enorm erleichtern.

Von Monika Maier-Albang

Wie es früher war? "A Schinderei", sagt Marlene Scheuerecker und lächelt vom Bett aus ihren Alois an, der sie seit acht Jahren pflegt. "Vor allem für ihn." Das Bad zu eng, der Zugang fast unmöglich mit dem Rollstuhl, ohne den Frau Scheuerecker, die an Multipler Sklerose erkrankt ist, nicht mehr auskommt.

Ein Rollstuhl bedeutet eine Umstellung im Alltag. Besonders die Wohnung muss an die veränderten Umstände angepasst werden.

(Foto: Foto: ddp)

Wenn ihr Mann sie aus dem Rollstuhl wuchtete, um sie auf die Toilette zu setzen oder in den Badewannen-Lifter, musste er sich früher immer in den Spalt zwischen Klo und Wanne zwängen. Solange seine Frau noch mit dem Gehwagen auf eigenen Füßen stehen konnte, sei man ja einigermaßen zurechtgekommen, sagt Alois Scheuerecker. Dann kam die Operation, dann der Rollstuhl - und von da an war klar: "So geht's nicht weiter".

Schwierigkeiten bei der Finanzierung

In der Reha ist Marlene Scheuerecker auf den Verein Stadtteilarbeit aufmerksam gemacht worden. Der Verein hat eine Beratungsstelle für Wohnungsanpassung, so ist Yvonne Steidle zu den Scheuereckers nach Neuaubing gekommen.

Die Sozialpädagogin hat gemeinsam mit einer Architektin das Ehepaar beraten, hat die Finanzierung für den Umbau des Badezimmers auf die Beine gestellt, hat Firmen gesucht und die Bauarbeiten begleitet. Ein dreiviertel Jahr hat das gedauert, vor allem die Klärung, wer was zu zahlen bereit ist. Der Umbau an sich war in zehn Tagen geschehen.

Viele Häuser sind ohne Fahrstuhl

Machen ließ sich hier einiges, das aber sei nicht immer so, sagt die Sozialpädagogin Steidle. Sie kennt genügend Altbauwohnungen in der Innenstadt, die Menschen im fünften Stock ohne Lift gefangen halten. Manchmal gibt es sogar Aufzüge, "aber die sind oft defekt".

Die Scheuereckers haben immerhin eine Rampe vor dem Haus und innen einen Lift. Trotzdem sei das Rangieren mit dem Rollstuhl im Lift unpraktisch gewesen, sagt Alois Scheuerecker. Als im Erdgeschoss eine Wohnung frei wurde, ist das Ehepaar deshalb vom siebten Stock nach unten gezogen.

Eine Umstellung, die Marlene Scheuerecker anfangs nicht leicht fiel. Nach 20 Jahren in luftiger Höhe vermisst sie noch immer den Blick in die Ferne, "bis nach Germering hat man von oben aus gesehen".

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