Bankpleite Ackermann ließ Lehman abblitzen

Im letzten Augenblick bat die US-Pleitebank Lehman Brothers den Deutsche-Bank-Chef um Hilfe. Der lehnte ab.

Von Nikolaus Piper

Die Investmentbank Lehman Brothers versuchte offenbar in letzter Minute auch mit der Deutschen Bank ins Geschäft zu kommen, um eine Pleite zu verhindern. Zu Verhandlungen kam es aber nie. Auch andere Investoren lehnten eine Kapitalbeteiligung ab, als die Insolvenz absehbar war. Dies geht aus dem Bericht des Gerichtsgutachters Anton Valukas hervor, der vorige Woche in New York veröffentlicht worden war.

Lehman Brothers hatte am 15. September 2008 Gläubigerschutz beantragen müssen. Es war die größte Pleite in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte. In den Wochen davor hatte Bankchef Richard Fuld verzweifelt versucht, Partner zu finden, die entweder Kapital investieren oder die Bank ganz übernehmen würden.

Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, hatte seinerzeit öffentlich erklärt, er habe keinerlei Interesse an Lehman. Was bisher nicht bekannt war, ist die Tatsache, dass Fuld Ackermann tatsächlich wegen eines Engagements angesprochen hat.

In dem Bericht von Gutachter Valukas steht die Deutsche Bank auf einer Liste jener Institute, mit denen Lehman Kontakt aufgenommen hatte, die aber "nicht einmal an einer Diskussion über eine Transaktion interessiert" gewesen seien.

Neben der Deutschen Bank gehören dazu die Bank of China, die Investitionsbehörden von Abu Dhabi und Kuwait, die Carlyle Group, der Staatsfonds Chinese Investment Corporation, die Mubadala Development Company aus Abu Dhabi und der Staatsfonds von Qatar. Der Bericht sagt nichts darüber aus, wie die Anfragen genau aussahen.

Zuvor hatte Richard Fuld schon den Investor Warren Buffett wegen eines Engagements angesprochen; auch er sagte nach Prüfung der Unterlagen ab. Ernsthafte Verhandlungen gab es mit der Bank of America, der britischen Barclays und der koreanischen Entwicklungsbehörde KDB. Als die Verhandlungen mit KDB im September 2008 scheiterten, stürzte der Aktienkurs von Lehman in den Keller und die Endphase des Instituts begann. Barclays kaufte nach der Pleite wichtige Teile der Konkursmasse.

Lehman ließ Milliarden aus der Bilanz verschwinden

Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, gehörte die Deutsche Bank neben JP Morgan Chase und der schweizerischen UBS zu den wichtigsten Partnern von Lehman bei den umstrittenen "Repo-105"-Geschäften. Repo-Kredite sind eine alltägliche Form kurzfristiger Darlehen zwischen Banken. Dabei werden für ein paar Tage Wertpapiere verpfändet. Normalerweise bleiben diese Wertpapiere dabei in der Bilanz des kreditnehmenden Instituts.

Lehman nutzte aber eine Lücke in den amerikanischen Buchführungsregeln, wonach solche Geschäfte dann als "Verkauf" verbucht werden können, wenn der Wert der Papiere 105 Prozent der Kreditsumme oder mehr ausmacht. Die angeschlagene Bank nutzte diese Regel, um regelmäßig zum Stichtag der Quartalsberichte 50 Milliarden Dollar aus der Bilanz verschwinden zu lassen. Dies könnte jetzt noch juristische Konsequenzen haben.

Die Repo-105-Kredite waren teurer als normale Repo-Kredite und damit für die Geschäftspartner Lehmans besonders attraktiv. Allerdings hätten diese auch misstrauisch werden können, legt der Bericht nahe: Warum ließ sich Lehman überhaupt auf so etwas ein? Bei der Deutschen Bank scheint irgendwann das Misstrauen gesiegt zu haben. Laut Untersuchungsbericht scheiterte im Laufe des Jahres eine derartige Transaktion zwischen Lehman und den Händlern der Deutschen Bank. Das Frankfurter Geldhaus wollte sich dazu nicht äußern.