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Geldscheine:Warum der Trend zu höheren Scheinen geht

10-, 20- und 50-Euro-Scheine sind bei fast allen Geldautomaten in Deutschland gesetzt. Die Bank entscheidet, ob sie die vierte Kassette mit Fünf-Euro-Scheinen oder mit 100-Euro-Scheinen bestückt. Die Stadtsparkasse München hat sich zum Beispiel für Fünfer entschieden. Bei ihr gibt es am Automaten keine Hunderter. In den Automaten der Postbank gibt es gar keine Fünfer. Und die Münchner Bank dagegen variiert: "An stark frequentierten Standorten wie der Fußgängerzone, wo die einzelnen Abhebungen höher sind, enthalten die Automaten 10-, 20-, 50- und 100-Euro-Scheine", sagt eine Sprecherin. In Stadtvierteln wie Giesing oder Freimann werde der Hunderter durch einen Fünfer ersetzt.

In welcher Stückelung der Kunde sein Geld erhält, ist bei vielen Banken standardisiert. Die Programmierung hängt nach Erfahrung des Wincor-Nixdorf-Mitarbeiters von der Kundennachfrage ab. "In einem Einkaufsviertel werden zum Beispiel die Kassetten eher mit 100-Euro-Scheinen befüllt, in einem Schulviertel, in dem viele Jugendliche ihr Taschengeld abheben, eher mit Fünf-Euro-Scheinen", sagt er.

Automaten werden alle paar Tage neu befüllt

Allgemein geht der Trend hin zu den höheren Scheinen, hat man beim Hersteller Wincor-Nixdorf beobachtet. "Der Fünfer fällt oft weg, stattdessen kommt der Hunderter hinzu", sagt Scheller. Das liege vor allem daran, dass die Handhabung kleinerer Scheine mit höheren Kosten verbunden sei und die Automaten damit häufiger nachgefüllt werden müssten.

Aus Sicherheitsgründen reden die Banken ungern darüber, wie viel Geld sich in einem frisch aufgefüllten Automaten befindet. In der Regel werden sie alle paar Tage neu befüllt. Bei vielen Banken zeigt eine Software an, wann das Geld zur Neige geht. Dahinter steckt ein ewiges Dilemma: Einerseits möchten die Banken jederzeit eine größtmögliche Auswahl an Scheinen bieten. "Die Kunden lieben eine vielfältige Stückelung", sagt ein Postbank-Sprecher. Andererseits bergen stets volle Bankautomaten ein höheres Risiko, dass das Geld gestohlen wird. Die simple Anwendung von roher Gewalt auf Geldautomaten ist auch in Zeiten digitaler Betrugsmethoden nicht überholt, wie eine Serie von Sprengungen in Nordrhein-Westfalen zeigt.

Auch Bankautomaten sind manchmal einfach leer

Welche Beträge in der Voreinstellung angeboten werden, variiert von Filiale zu Filiale. "Lage und Frequentierung" seien entscheidend, heißt es bei der Postbank. Zum naheliegenden Verdacht, dass in wohlhabenden Gegenden höhere Beträge häufiger voreingestellt sind, äußern sich Banken nicht. Und doch gibt es regionale Unterschiede: In Berliner Banken liegt die kleinste automatisch angezeigte Option auch mal bei zehn Euro. Bei der Stadtsparkasse München zum Beispiel werden die Beträge von 50 bis 400 Euro angezeigt. Will der Kunde einen kleineren Betrag, ist das zwar möglich, aber er muss es zusätzlich eingeben.

Und was ist passiert, wenn auf einmal 20 Zehner herauskommen, obwohl man sonst immer vier Fünfziger bekommt? "Dann sind einfach die Kassetten mit den höheren Scheinen leer", sagt Experte Scheller. Der Geldautomat weiche auf den nächst kleineren oder größeren Schein aus - bis auch diese leer sind. Dann zeigt das Gerät bei den meisten Banken einen Spruch an, den die Kunden inzwischen kennen: "Dieses Gerät ist zurzeit außer Betrieb."

© SZ vom 22.03.2016/jps/vit
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