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Banknoten in Kanada:Geld, das in der Sonne schmilzt

Kurioses Geld Schöne neue Plastikwelt Bilder

Kuriose Geldscheine und Währungen

Schöne neue Plastikwelt

"Wir können leider große Banknoten nicht annehmen" - diesen Satz soll in Kanada keiner mehr lesen müssen. Seit 2012 gibt es einen neuen, angeblich besonders fälschungssicheren 100-Dollar-Schein. Er besteht aus Plastik. Aber nicht nur die kanadischen Dollar sind künftig unverwechselbar, in der Welt des Geldes gibt es viele kuriose Besonderheiten. Ein Überblick in Bildern.

Ihre neuen Plastik-Geldscheine machen die Kanadier unglücklich. Die haben überhaupt ein schwieriges Verhältnis zu den Scheinen. Ob ausländisches Ahornblatt oder asiatische Gesichtszüge auf den Hundertern, es gibt immer einen Grund zum Ärgern.

Eines muss man den Kanadiern lassen: In ihrem Land haben selbst Währungsturbulenzen Unterhaltungswert. Kanada ist zwar ein kaltes Land, aber die neuen Banknoten sind eine heiße Sache. Sie sind aus australischem Plastik, sprich Polymer, und sollen mindestens doppelt so dauerhaft sein wie Papiernoten. Und fälschungssicher. Zum Beweis wurden sie gekocht, gefroren und in Waschmaschinen mit Kaffeepulver, Murmeln, Schrauben und synthetischem Schweiß getestet.

Die Noten hielten all dem stand. Aber dann meldete sich eine Bankangestellte in der westkanadischen Stadt Kelowna: Sie habe von Fällen gehört, in denen Scheine in einem Auto an der Sonne zusammengeschmolzen seien. Das lässt sich leider nicht verifizieren, denn der Bericht der kanadischen Zentralbank zu diesem Thema ist vertraulich. Sehr öffentlich dagegen ist der Kampf von Mona Billard aus Cambridge in der Provinz Ontario. Es dauerte sechs Monate, bevor sie für geschmolzene Banknoten einen Scheck der Zentralbank Bank of Canada bekam.

Ihr Sohn Nicholas hatte acht neue Hunderternoten in einer Blechdose verstaut, das Weihnachtsgeld von seinem Arbeitgeber. Die Dose versteckte er in der Nähe des Heizkörpers. Als Mona Billard das Geld auf der Bank einzahlen wollte, entdeckte sie zu ihrem Entsetzen verschrumpelte, nutzlose Scheine. Die Bank of Canada ersetzt solche Banknoten erst nach einer eingehenden Prüfung durch ein Labor in der Hauptstadt Ottawa. Zentralbank-Sprecherin Julie Girard beharrt jedoch darauf, dass die neue Währung Temperaturen von bis zu 140 Grad Celsius überstehen kann. Sie weist darauf hin, dass warme Länder wie Australien und Singapur schon seit Jahren Polymer-Scheine im Umlauf haben.

Angesichts der Tatsache, dass bereits über 400 Millionen neue Banknoten in Kanada zirkulieren, hat die Sache mit den geschmolzenen Noten eher Seltenheitswert. Seit der Markteinführung vor zwei Jahren wurden bislang nur in 232 Fällen Polymer-Banknoten mit Schäden zurückgegeben, verglichen mit den jährlich 3000 Fällen von beschädigten Papiernoten. Aber das macht den Kanadiern das neue Plastikgeld nicht sympathischer. Peter Stenberg aus Vancouver, Literaturprofessor im Ruhestand, hätte beinahe 20 Dollar verloren. "Die Noten kleben aneinander, sodass man sie nicht richtig zählen kann", sagt er. Weil die Verkäuferin ehrlich war, erhielt er eine Note zurück. Es soll auch vorkommen, dass man einen Schein mehr bekommt, wenn man Geld aus dem Automaten bezieht. Nur beklagt sich dann niemand.

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