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Bankenverbandschef Michael Kemmer:"Wir fürchten keine Testkäufer"

Beraten Banken ihre Kunden schlecht? Diesen Vorwurf will Bankenverbandschef Kemmer keinesfalls stehen lassen. Ein Register für Kundenberater fürchtet er nicht, die Diskriminierung von Beratern hingegen schon.

Auch drei Jahre nach der Finanzkrise sind viele Kunden noch immer misstrauisch gegenüber Banken. Zu häufig hatten sie erlebt, dass ihnen unsinnige Produkte aufgeschwatzt worden waren. Mit dem Anlegerschutzverbesserungsgesetz, das am kommenden Mittwoch im Finanzausschuss des Bundestags beschlossen werden soll, will die schwarz-gelbe Koalition für Abhilfe sorgen. Michael Kemmer, Geschäftsführer des Bankenverbands, fürchtet jedoch: "Da droht uns ein gewaltiger bürokratischer Aufwand." Kemmer steht derzeit selbst in der Kritik. Als früherer Finanzvorstand der BayernLB soll er für Milliardenverluste mitverantwortlich sein. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. Zu den Vorwürfen wollte Kemmer sich im SZ-Interview jedoch nicht äußern.

Michael Kemmer

Michael Kemmer: "Verdeckte Ermittler, das klingt nach organisierter Kriminalität. Damit stehen alle Berater unter Generalverdacht, und das ist diskriminierend."

(Foto: dpa)

SZ: Herr Kemmer, wenn Sie Geld anlegen, von wem lassen Sie sich beraten?

Kemmer: Von dem Kundenberater meiner Bank, wie jeder andere auch. Ich kenne ihn schon lange und vertraue ihm.

SZ: Können Sie trotzdem verstehen, wenn Kunden vor einem Beratungsgespräch Bauchgrimmen haben?

Kemmer: Das kann ich sogar sehr gut. Wir verkaufen teilweise hoch komplizierte Produkte, die gerade für den unerfahrenen Laien nicht ohne weiteres verständlich sind. Da ich vom Fach bin, blicke ich vielleicht etwas leichter durch. Aber mir ist klar, dass sich viele Menschen damit schwer tun. Umso wichtiger ist, dass sich der Berater Zeit nimmt.

SZ: Aber kann er das überhaupt? Man hört viel von dem enormen Verkaufsdruck, unter dem die Berater stehen.

Kemmer: Schon von Gesetzes wegen sind die Berater verpflichtet, stets im Interesse des Kunden zu beraten.

SZ: Der Vorgesetzte ist einem aber deutlich näher als das Gesetz.

Kemmer: Keine Frage, es gibt Fälle, in denen falsch beraten wurde. Und das ist auch für die Zukunft nicht auszuschließen. Aber die allermeisten Berater beraten gut - weil sie genau wissen, dass nur ein zufriedener Kunde wieder kommt.

SZ: Wenn das so ist, warum ist dann so viel schief gelaufen? Allein das Provisionssystem führt doch zwangsläufig dazu, dass dem Kunden nicht das beste Produkt verkauft wird, sondern das, für das die Bank die höchste Provision kassiert.

Kemmer: Der Schluss mag naheliegen, ist aber nicht zwingend. Manche Produkte sind beratungsintensiver, und das muss sich in der Höhe der Provision widerspiegeln. Die Kunst ist, ein Produkt zu vermitteln, mit dem sowohl der Kunde als auch die Bank Geld verdienen.

SZ: Es gibt Juristen, die vergleichen die Provisionen mit Schmiergeld.

Kemmer: Das Wort ist bei einer Anlageberatung genau so unangemessen wie beim Autokauf. Entscheidend ist, dass die Provision für den Kunden transparent ist. Dann kann er zwischen verschiedenen Produkten vergleichen und sich überlegen, ob sie ihm das Geld wert sind.