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Bankenrettungsfonds hilft:Milliardengrab IKB

Vor zwei Jahren geriet die IKB in Schieflage - der Auftakt zur Finanzkrise in Deutschland. Jetzt braucht sie weitere sieben Milliarden Euro vom Staat und erhält sie auch.

Mit dem Namen IKB begann die Finanzkrise in Deutschland. Die Düsseldorfer Mittelstandsbank war das erste Institut, das im August 2007 Milliardenhilfen benötigte.

IKB, dpa

Geld? Das Plakat vor der IKB in Düsseldorf verdeutlicht, was die Bank dringend braucht: Mehr Hilfe vom Staat. Weitere sieben Milliarden Euro sind fällig.

(Foto: Foto: dpa)

Man erinnert sich an die Worte von Jochen Sanio, dem Chef der Finanzaufsicht Bafin: Wenn die IKB nicht gerettet werde, drohe "die größte Bankenkrise seit 1929", sagte er damals - ein Wort, das viele aufrüttelte und sich bis heute bestätigt hat.

Weitere sieben Milliarden genehmigt

Am Wochenende nun kam eine Nachricht, die den Bundesbürgern vor Augen führte, dass die Finanzkrise noch lange nicht ausgestanden ist: Die IKB ist immer noch nicht aus dem Gröbsten heraus, sie benötigt weitere Garantien von sieben Milliarden Euro. Der Bankenrettungsfonds Soffin habe die Finanzhilfe bereits genehmigt, teilte die IKB am Freitagabend mit.

Damit erhöhen sich die Staatsgarantien für das Institut auf insgesamt zwölf Milliarden Euro; fünf Milliarden hatte es bereits vor einem halben Jahr erhalten. Die Europäische Union hatte dies damals nur unter harten Auflagen genehmigt. So muss sich die IKB unter anderem von Tochterfirmen trennen und ihr Geschäft deutlich verkleinern.

Als Ursache für die erneut nötige Staatshilfe gab die Bank an, die Situation an den Geld- und Kapitalmärkten sei weiterhin schwierig, so dass "eine adäquate Refinanzierung derzeit kaum möglich ist".

Die IKB tut sich schwer, Geld zu besorgen

Das heißt, dass sich die IKB schwer damit tut, sich auf dem Kapitalmarkt dringend nötiges Geld zu besorgen. Ausdrücklich weist die Bank darauf hin, dass sie das Geld zur Sicherung der Liquidität benötigt.

Es seien keine neuen Hilfen für "Rekapitalisierung oder Risikoübernahme" beantragt worden - eine Umschreibung dafür, dass keine weiteren Abschreibungen toxischer Papiere nötig sind. Technisch läuft die Aufstockung der Garantie so ab, dass die IKB neue Schuldverschreibungen herausbringt, für die der Bund garantiert.

Außerdem kam am Wochenende heraus, dass die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl gegen zwei weitere ehemalige Vorstandsmitglieder des Kreditinstituts beantragte. In die bedrohliche Schieflage geriet die IKB im Sommer 2007 wegen Spekulationen mit US-Ramschhypotheken.

Der damalige IKB-Chef Stefan Ortseifen wurde am vergangenen Mittwoch von der Staatsanwaltschaft wegen Kursmanipulation und Untreue angeklagt. Er soll die Lage der Bank kurz vor der Beinahe-Pleite "bewusst irreführend zu positiv dargestellt" haben. Außerdem legen ihm die Ermittler zur Last, seine Dienstvilla auf Kosten der IKB aufwendig ausgebaut zu haben.

In diese Affäre ist nach Informationen der Rheinischen Post auch Ortseifens Vorgänger Alexander von Tippelskirch verwickelt. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf habe einen Strafbefehl gegen ihn erwirkt.

Er habe 2004 Umbauarbeiten seines damaligen Vorstandskollegen Ortseifen genehmigt, die der Aufsichtsrat hätte billigen müssen. Der Auftragswert betrug demnach etwa 14.000 Euro.

Strafbefehl gegen weitere Ex-Vorstände

Oberstaatsanwalt Michael Marx-Manthey sagte am Wochenende, die Staatsanwaltschaft habe einen Strafbefehl gegen zwei weitere ehemalige Vorstandsmitglieder der IKB beantragt.

Namen könne er aber nicht nennen. In beiden Fällen seien Verwarnungen mit Strafvorbehalt beantragt worden, in einem Fall in Höhe von 10.000, in dem anderen Fall in Höhe von 50.000 Euro.

Im Geschäftsjahr 2008/09, das am 31. März endete, hat die IKB ein Minus von 580 Millionen Euro eingefahren, teilte sie mit. Die Bank erklärte dies vor allem mit Verlusten im Wertpapiergeschäft und hohen Kosten durch die EU-Auflagen zur Sanierung.

Jeder fünfte Arbeitsplatz bedroht

Weil sie Rückstellungen auflöste, ergab sich unterm Strich ein vorläufiger Konzernverlust von 78 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte das Minus elf Millionen Euro betragen.

Die staatliche Förderbank KfW, damals größter IKB-Aktionär, sowie Bund und Bankenwirtschaft hatten die IKB mit Milliardenhilfen vor der Pleite bewahrt. Im Gegenzug musste die Bank ihre Aktivitäten bereits deutlich verkleinern.

Nach den Auflagen der EU muss sie die Konzernbilanzsumme bis Ende September 2011 auf 33,5 Milliarden Euro reduzieren. 2008 betrug sie 45,6 Milliarden Euro. Jeder fünfte Arbeitsplatz soll wegfallen. (SZ, dpa, AP)