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Bankenkontrolle:Die Monster sind wild

Bundespräsident Horst Köhler steht nicht im Geruch, ein in der Wolle gefärbter Gegner der Finanzbranche zu sein. Wenn er deren fehlende Lernbereitschaft kritisiert, ist Gefahr im Anzug.

Alexander Hagelüken

Der Mann steht nicht im Verdacht, wie ein Blinder von der Farbe zu reden. Horst Köhler war eine zentrale Figur im Finanzministerium, er führte den Sparkassenverband und den Internationalen Währungsfonds.

Bundespräsident Horst Köhler fordert zur Bändigung der Banken einen starken Staat.

(Foto: Foto: ddp)

Wenn dieser Horst Köhler die Geldbranche attackiert, lohnt es sich, hinzuhören. Als der Bundespräsident die Finanzmärkte vor mehr als einem Jahr als "Monster" bezeichnete, fanden viele seine Worte übertrieben. Danach kollabierte die US-Bank Lehman und löste die schwerste Wirtschaftskrise seit mehr als einem halben Jahrhundert aus. Deshalb ist Köhlers neue Mahnung bemerkenswert, die Branche lerne nichts aus dem Desaster und es bedürfe eines starken Staates.

Diese Meinung mag vielen Menschen überflüssig erscheinen. Viele Banken kündigen ja an, von Risiken die Finger lassen zu wollen. Und gerade haben die Regierungschefs der größten Industrienationen in Pittsburgh beschlossen, die Finanzmärkte intensiver zu kontrollieren.

Köhler hat gleichwohl recht: Das Monstrum ist wild. Die Beschlüsse von Pittsburgh sind vage, die Prinzipien könnten im Verhandlungsprozess der kommenden Monate durchlöchert werden. Gleichzeitig fangen die Bankmanager an, zu schlechten Gewohnheiten zurückzukehren. Sie werben mit Millionenbeträgen sogenannte Topleute ab, die das Geld mit möglichst lukrativen Geschäften wieder einspielen sollen - die Saat für das nächste Unglück ist ausgebracht.

Renditeziel von 25 Prozent

Wer das Selbstverständnis der Branche beurteilen will, muss die Worte Josef Ackermanns studieren. Obwohl die Krise Millionen Arbeitsplätze kostet, lässt sich der Chef der Deutschen Bank nicht irritieren; er hält am Renditeziel von 25 Prozent fest. Und zur Regulierung fällt ihm ein, es gebe nur "in wenigen Teilbereichen" zu wenige Spielregeln für die Branche.

Wenn alle Manager so denken, darf sich die Menschheit schon auf die nächste Finanzkrise einstellen. Zur Vorbeugung hilft dabei nur eines: mehr Kontrolle, also ein starker Staat im Sinne Köhlers. Deshalb ist es richtig, dass die neue Bundesregierung die Zweiteilung der Bankenkontrolle beenden will, also das Hin und Her zwischen Bundesbank und Finanzaufsicht.

Die Vorstellung ist schaurig, dass Beamte verschiedener Institutionen Dossiers herumschieben, während in den Banken wieder Milliardenrisiken aufgetürmt werden. Union und FDP sind in Deutschland auf gutem Weg, international müssen sie noch umdenken und umkehren: Es bedarf einer zentralen Aufsicht in Brüssel, weil Spekulationen selten an Grenzen enden.

Ein gutes Jahr nach der Eskalation der Krise droht eine Rückkehr zum alten Finanzsystem. Die Banken drängen, die Politiker zaudern, die Bürger verlieren die Lust an dem komplexen Thema. Um das Interesse wachzuhalten, hilft eine Erinnerung an die Konsequenzen des Desasters: Bankenrettung und Konjunkturpakete werden auf Jahre verhindern, dass der Staat genug für Bildung ausgeben kann, für Kinderbetreuung oder für Soziales.

© SZ vom 07.10.2009/pak
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