Banken in der Bredouille:Und nun die Offenbarung

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Die deutschen Geldinstitute haben nur wenige Tage Zeit: Sie müssen den Behörden erklären, inwieweit sie sich in Griechenland engagiert haben - und wie sie sich die Umschuldung vorstellen. Doch da gibt es noch ein hässliches Problem: die Bad Banks.

Helga Einecke, Frankfurt

Die Griechen drängen. Die Banken und Versicherer rechnen. Und die Politiker und Lobbyisten verhandeln. Es geht ja um eine große Sache, die lautstark auf dem letzten Europa-Gipfel in Brüssel verkündet worden war - um den Beitrag der privaten Gläubiger, also der Banken und Versicherungen, an der Rettung Griechenlands. Die Hilfe soll über den Euro-Raum hinweg insgesamt 50 Milliarden Euro locker machen.

Banken an der Börse

Die Banken sollen sich an der Umschuldung Griechenlands beteiligen. Die Athener Regierung drohte bereits, die Sache platzen zu lassen, wenn nicht mindestens 90 Prozent der fraglichen Papiere gewechselt werden.

(Foto: dpa)

Demnächst erhalten die deutschen Geldinstitute in dieser Sache Post von der Finanzaufsicht Bafin: Darin werden sie aufgefordert, bis zum 9. September, 17 Uhr, zu offenbaren, wie hoch ihre Engagements in Griechenland aktuell sind und welche Form der Umschuldung sie anstreben. Die Adressaten können unter vier verschiedenen Lösungen wählen.

Doch Streit in dieser Angelegenheit gibt es über die Einstufung der beiden deutschen Bad Banks, also jene finanzpolitischen Sonderdeponien, in denen die verunglückte Hypo Real Estate und die WestLB ihre Griechenland-Milliarden verschoben haben. Sind sie privat? Oder öffentlich? Mit 7,4 Milliarden Euro hat die Bad Bank der HRE in Deutschland bei weitem am stärksten in Griechenland-Anleihen investiert; sie firmiert unter FMS Wertmanagement in München. Die Bad Bank der WestLB in Düsseldorf - getauft auf EAA (Erste Abwicklungs Anstalt) - hält 1,1 Milliarden Euro.

Das Bundesfinanzministerium fordert nun demonstrativ eine Beteiligung der beiden Abwicklungsanstalten. "Wir gehen davon aus, dass sie naturgemäß ihren Beitrag leisten", sagt eine Sprecherin. Die Entscheidung darüber träfen die beiden Bad Banks aber selbst. Die wiederum wollen sich ohne Rückendeckung aus Berlin nicht festlegen. "Wir arbeiten intensiv daran", wiegelt ein Sprecher der FMS ab. "Unser Vorstand hat grundsätzlich Ja gesagt", formulieren die Düsseldorfer. Die Details seien mit den Gremien abzustimmen. Klingt nach: Ja, aber.

Die Gremien, das sind nicht nur die Verwaltungsräte, sondern auch der deutsche Bankenrettungsfond und Politiker. Hinter den Kulissen wird darüber diskutiert, zu welchem Anteil die beiden staatlichen Abwicklungsanstalten dem privaten Sektor überhaupt zuzuordnen sind. Das erklärt auch die Zweifel, in welchem Umfang die FMS und die EAA an dem Tauschprogramm teilnehmen. Solche Überlegungen könnten auch diejenigen Landesbanken anstellen, die Bundesländern gehören. Die Beteiligung der privaten Gläubiger gilt als wichtige Voraussetzung dafür, dass das Parlament dem EU-Rettungspaket zustimmt.

Die griechische Regierung drohte bereits, die Sache platzen zu lassen, wenn nicht mindestens 90 Prozent der fraglichen Papiere gewechselt werden. Besonders das lahme Tempo in Deutschland, bedingt durch die Bad Banks, ärgert Athen. Ende voriger Woche meldete sich die griechische Regierung über die Börse in Athen. Sie listete in einem 13-Seiten-Schreiben die 81 von ihr ausgegebenen Anleihen auf, die bis zum Jahr 2020 laufen und die sie in die Umschuldung mit einbeziehen will. Es geht im Kern um den Tausch in neue Anleihen mit Laufzeiten bis zu 30 Jahren und einen Abschlag auf den bisherigen Bestand um ein Fünftel. Außerdem schickte das Finanzministerium in Athen einen doppelt so langen Brief an die Finanzministerien der Euro-Länder sowie an die Aufseher der Banken und an Versicherungen.

Die Bitte der Griechen: Bitte helft uns, damit aus der Umschuldung etwas wird.

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