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Bahnhofausbau in Stuttgart:Der Diskussions-Bahnhof

Die Ebene, in der künftig die Züge halten, hat der Statiker Frei Otto mit futuristischen Hängekonstruktionen gestaltet, die in oberirdische Lichtaugen übergehen. Man sieht raus und kann reinschauen. So war der Plan. Sicher ist aber auch der nicht. Die Stadt Stuttgart setzte vor einigen Monaten eine Arbeitsgruppe ein, um nochmals über den Siegerentwurf nachzudenken. Und Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte in Stuttgart vor einigen Monaten, er könne auch nicht sagen, wie Stuttgart 21 endgültig aussehen würde.

Der Verdacht liegt nahe, dass es sich in Wahrheit nicht um einen Durchgangsbahnhof, sondern um einen Diskussionsbahnhof handelt. Es ist wenig übriggeblieben von dem Schwung der Idee, von der Begeisterung erster Entwürfe. Dabei ist es für Stuttgart eine große Sache.

Neue Innenstadt

Stuttgart liegt in einem Kessel und könnte ohne Stuttgart 21 nicht mehr wachsen. In der Innenstadt wurde nach dem Krieg nochmal mehr an alter Bausubstanz zerstört, als durch die Bomben kaputtging. Straßen waren damals wichtiger als Orte, an denen man sich gerne aufhält. Durch die Verlegung der Gleise unter die Erde wird eine Freifläche von 100 Hektar entstehen, eine neue Innenstadt. Auf der Fläche sollen Büros und Läden entstehen für etwa 22.000 Menschen und Wohnungen für 12.000 - das alles mit Blick auf den Stadtpark, der noch einmal um 20 Hektar größer wird.

Es soll ein lebendiger Stadtteil werden ohne riesige Straßen, die die übrige Innenstadt Stuttgarts zerschneiden. Vor einigen Wochen gab es den ersten Spatenstich, für die Bibliothek 21 des koreanischen Architekten Eun Young Yi.

Bevor die Bauarbeiten an Stuttgart 21 aber richtig beginnen, wollen Stadt und Bahn nochmal laut für das Projekt und um die Gunst der Bürger werben. Dafür soll in der Innenstadt ein Pavillon aufgestellt werden, der nicht so versteckt ist wie die Ausstellung im Bahnhofsturm. Und prompt gibt es wieder Streit um den Standort.