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Bahnhofausbau in Stuttgart:Der Diskussions-Bahnhof

Die Fahrtzeit von Stuttgart nach Ulm wird sich im ICE von 54 Minuten auf 28 fast halbieren. Dazu müssen 28 Brücken und 24 Tunnel gebaut werden. Letztere mit 60 Kilometer Länge. Bisher mussten die ICE-Züge mit 80 km/h die Schwäbische Alb hinaufschleichen - untragbar für ein Land wie Baden-Württemberg, fand nicht nur Ministerpräsident Günther Oettinger, der das Projekt Stuttgart 21 nach langen Stillstand wieder vorantrieb.

In Stuttgart selbst herrscht seitdem die Sorge, dass die gutbürgerliche Ruhe in der Stadt erheblich gestört werden könnte, dass der Mercedes beim Einkaufsbummel stark verschmutzen könnte. Insgesamt 2400 Lastwagenfahrten soll es zu Spitzenzeiten auf der Baustelle geben, die Bahn will sie aber zu einem großen Teil innerhalb der Baustelle abwickeln. Schutt und Baumaterial sollen mit Zügen gebracht und abgeholt werden.

Auch die Zugreisenden werden die Umbauten sehr bald nach Baubeginn spüren. Denn die Gleise des bisherigen Hauptbahnhofs werden 2011 um etwa 120 Meter nach hinten verlegt; zwischen der alten Bahnhofshalle und den Gleisen wird die Grube für die neue Strecke ausgehoben, die Bahngäste werden von Brücken aus in die Tiefe schauen können.

Irgendwie keine Schönheit

Die Gegner des Bahnhofs, von denen es nicht wenige gibt, halten das ganze Projekt für größenwahnsinnig und sind empört, dass für Stuttgart 21 der bisherige Bahnhof teilweise abgerissen wird. Damit werde ein Baudenkmal zerstört, protestierten auch renommierte Architekten. Die Frage aber ist, ob diese Architekten den bisherigen Stuttgarter Bahnhof auch tatsächlich einmal selbst gesehen haben; auch vielen Reisenden war bisher nicht bewusst, dass es sich um eine einzigartige Schönheit handelt. Innen ist er matschbraun angestrichen, alles ist schon in die Jahre gekommen, der Boden teilweise aus Teer und recht brüchig. Über den Gleisen hängen seltsame Glaskonstruktionen, die wohl vor Kälte schützen sollten, was aber nie gelingt - Stuttgart ist wohl Deutschlands kältester Großstadtbahnhof.

Von dem bisherigen Bahnhof, dem von 1914 an errichteten Bonatzbau, werden nur die Seitenflügel abgerissen, die bisher keine öffentliche Nutzung haben. In Stuttgart selbst wird ihnen kaum einer nachweinen. Die große Schalterhalle wird auch künftig ein Eingang der unterirdischen Station sein. Und zumindest nicht hässlicher als bisher. Dort, wo heutzutage die Züge hinausfahren, sollen Restaurants entstehen.

Der Entwurf für den ersten unterirdischen Bahnhof Deutschlands stammt vom Büro Ingenhoven, Overdiek und Partner. 1997 gewannen die Düsseldorfer den Wettbewerb - und warten seitdem darauf, dass es losgeht. Sie haben einen Bahnhof entworfen, der unter der Erde liegt und dennoch Licht von oben bekommt.