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Atomausstieg günstiger als erwartet:Deutsche zahlen zu viel für Strom

Die Energiekonzerne geben niedrigere Preise nicht an die Verbraucher weiter: Bis zu drei Milliarden Euro haben Stromkunden in Deutschland dieses Jahr zu viel gezahlt, zeigt eine Studie. Große Unternehmen würden hingegen entlastet, so die Kritik. Noch diesen Herbst sollen die Preise zudem weiter steigen.

Der Atomausstieg war für die Energiekonzerne nicht so teuer wie erwartet. Bei den Stromkunden kommt dieser Effekt aber nicht an: Die Energieversorger kassieren in diesem Jahr einer Studie zufolge beim Strompreis bis zu drei Milliarden Euro zu viel von den deutschen Verbrauchern. Dies geht aus einer Analyse des Energieexperten Gunnar Harms für die Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

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Laut Harms sind die Preise im Stromeinkauf 2011 um zehn bis 20 Prozent gefallen. "Der Atomausstieg hat nicht zu den befürchteten Preissteigerungen geführt", heißt es in der Studie. Wenn diese Effekte an die Endkunden komplett weitergegeben würden, müsste der Strompreis demnach rund zwei Cent je Kilowattstunde niedriger sein.

Doch in absehbarer Zeit werden die Preise für private Haushalte wohl nicht sinken. Im Gegenteil: Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) rechnet im Herbst mit einem Preisanstieg um fünf Prozent. "Die Preise legt die Energiewirtschaft fest", sagte der Minister der Rheinischen Post. "Experten erwarten aber fünf Prozent."

Dies sei die Folge des zu schnellen Ausbaus der Solarenergie. Der CDU-Minister will deshalb die teure Förderung der Solarenergie schon früher beenden als bisher geplant. "Die Förderung des Solarstroms wird ganz auslaufen, wenn wir das Ziel von 52 Gigawatt an Leistungskapazität erreicht haben. Das ist für 2020 vorgesehen. Falls wir das Ziel früher schaffen, läuft die Förderung entsprechend früher aus", sagte der CDU-Politiker.

Haushalte zahlen für Industrie

"In den letzten fünf Jahren zeigt sich, dass gestiegene Einkaufspreise stets unverzüglich weitergegeben wurden, Preissenkungen hingegen nicht - zumindest nicht an das Kundensegment der Haushaltskunden", kritisert Energieexperte Harms. Die Preise für Industriekunden seien in den letzten Jahren um drei Prozent gesunken, "während gleichzeitig private Endkunden seit 2008 rund 20 Prozent mehr für den Strom bezahlen müssen".

Die Grünen kritisieren schon länger, dass es für energieintensive Unternehmen zu viele Ausnahmen bei den Netzentgelten und den Kosten zur Förderung erneuerbarer Energien gebe, dadurch müssten die Verbraucher beim Strompreis erhebliche Mehrkosten schultern. Einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden kostet die Ökostrom-Förderung jährlich 125 Euro, davon zahlt er 31 Euro nur für die Industrie-Entlastungen.

Konzernen, die besonders viel Energie verbrauchen, erlässt die Bundesregierung das Netzentgelt. Das ist die Gebühr, die Stromkunden für die Nutzung der Stromnetze zahlen müssen - sie macht rund ein Fünftel des Strompreises aus. Über eine Umlage gleichen private Haushalte und kleinere Unternehmen die Vergünstigungen aus.

Bärbel Höhn, stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion, sagte der Saarbrücker Zeitung, letztlich sei auch die Bundesregierung für den unaufhaltsamen Anstieg der Strompreise verantwortlich. Sie lade die Kosten der Energiewende bei den Verbrauchern ab, indem sie die Unternehmen umfassend entlaste.

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