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Arbeitsgericht entscheidet:Millionenschwere Abfindung für Skandalbanker

1,5 Millionen Euro Abfindung wurden ihm zugesagt, und auf diesen Betrag pocht der Ex-Banker Jens-Peter Neumann auch. Die Commerzbank muss zahlen.

Jens-Peter Neumann wird seinen Triumph im Stillen genießen. Zur Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Frankfurt trat der 50 Jahre alte Banker nicht auf - der Weg von Zypern, wo er inzwischen wohnt, nach Hessen war wohl zu weit. Doch die Entscheidung, die das Frankfurter Gericht traf, wird vielleicht auf der Mittelmeerinsel den einen oder anderen Korken einer Sektflasche zum Knallen bringen.

Denn Neumann, Investmentbanker und ehemaliger Leiter der Kapitalmarktsparte der Dresdner Bank, hat einen wichtigen Sieg gegen seinen ehemaligen - oder besser gesagt: gegen dessen neuen Eigentümer. 1,5 Millionen Euro Abfindung muss die Commerzbank, die neue Besitzerin der Dresdner Bank, an Neumann zahlen.

Grundlage für den Anspruch ist dem Urteil zufolge der Aufhebungsvertrag aus dem Dezember 2008, der von der Dresdner Bank (damals noch im Besitz der Allianz) und dem Angestellten vereinbart worden war. "Es ist nicht erkennbar, dass die Ertragslage des Unternehmens in irgendeiner Form zur Geschäftsgrundlage des geschlossenen Aufhebungsvertrages erhoben worden war", begründete das Gericht sein Urteil.

Verluste in Milliardenhöhe

Vielmehr ergebe sich daraus, dass die gesamten 4,5 Millionen Euro "als besondere Wertschätzung der Bank" gezahlt werden sollten, falls Neumann bis zum Abschluss der Übernahme bliebe.

Der Betrag von 4,5 Millionen Euro setzt sich aus der Abfindung und einem Bonus von drei Millionen Euro zusammen. Der Bonus wurde bereits ausgezahlt, doch die Commerzbank wollte das Geld zurück - weil die Investmentsparte der Dresdner Bank für Milliardenverluste verantwortlich war.

Richter Klaus Köttinger stellte allerdings fest, dass die Bank bereits einen Verlust von 2,9 Milliarden Euro erwartete, als sie den Aufhebungsvertrag mit Neumann unterzeichnet hatte. Neumanns Anwältin Tanja Karhausen sagte, das Minus habe "nicht viel zu tun mit der Leistung des Klägers".

Der ehemalige Betriebsratschef der Dresdner-Bank-Zentrale, Hans Georg Binder, sprach von einer fatalen Signalwirkung für die übrigen Mitarbeiter der Bank. "Herr Neumann hat schon genug Geld bekommen, er könnte gut darauf verzichten." Neumanns ehemaliger Chef Stefan Jentzsch hatte auf seinen Leistungsbonus für 2008 verzichtet, war aber mit einer Abfindung von acht Millionen Euro gegangen.

Und die Commerzbank selbst? Das Institut behält sich Angaben eines Konzernsprechers zufolge vor, innerhalb von vier Wochen in Berufung zu gehen.

© sueddeutsche.de/dpa/Reuters/tob/mel

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