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Anwalt im Kerviel-Prozess:Der Vielbeschäftigte

Er raucht Zigarre und ist Frankreichs bester Anwalt: Olivier Metzner könnte den Prozess gegen Ex-Banker Kerviel umkehren - zum Leidwesen der klagenden Bank.

In Frankreich nennt man einen wie ihn einen Tenor, und Olivier Metzner ist der größte unter diesen Tenören der Strafverteidiger. Das ist natürlich nicht wörtlich zu verstehen, und schon gleich gar nicht in Bezug auf Metzner.

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Ein Meister seines Fachs: Olivier Metzner gilt als der beste Anwalt Frankreichs und verteidigt Jérôme Kerviel gegen die Großbank Société Générale.

(Foto: afp)

Der gedrungene, grauhaarige Mann mit der schmalen Lesebrille auf der Nasenspitze ist zwar unbestritten der Staranwalt in Frankreich, vor allem wenn es um Wirtschaftsstrafsachen geht, aber ein Tenor, ein wohlklingender, ausdrucksstarker Virtuose ist er nicht. Metzner krächzt , lispelt, bisweilen hustet er höchst vernehmlich - eine Folge seines intensiven Zigarrenkonsums. Auch das spricht gegen den Tenor-Vergleich.

Besucht man ihn in seiner Kanzlei, und Metzner empfängt gern Journalisten, hat er meist eine Havanna im Mundwinkel. "Das stört Sie doch nicht?", fragt er dann, um sofort erklärend nachzuschieben: "Das ist das beste Mittel, mich zu konzentrieren und zu entspannen." Im Prozess um den Börsenhändler Kerviel, den er vertritt, sorgt diese Sucht immer wieder für spitze Bemerkungen, wenn Metzner nach einer Pause auf sich warten lässt.

Mindestens sechs Zigarren braucht der Verteidiger pro Tag, und zwar in der immer gleichen Reihenfolge: morgens eine Magnum 46, vormittags eine Magnum 50, mittags eine Cohiba Siglo VI. Und so geht das weiter, bis zum Abend setzt er immer noch ein Kaliber drauf.

Das mag vielleicht seiner Entspannung dienen. Es ist aber vor allem auch Teil einer grandiosen Inszenierung. Wenn Metzner seine Stimme erhebt, steigt die Spannung im Gerichtssaal. Im Kerviel-Prozess ist er der Einzige, der kein Mikrofon braucht, um sich Gehör zu verschaffen.

Arbeitstier und Taktiker

Dabei besticht Metzner keineswegs durch überragende Eloquenz. Ganz im Gegenteil, seine Redekunst ist sogar recht lausig, was bei seiner Reputation doch erstaunlich ist. Metzners Kreuzverhöre sind dennoch gefürchtet. "Ah, eine Hypothese!", "Ah!", "Ah!", bricht es regelmäßig aus ihm heraus, wenn er Zeugen in die Mangel nimmt, diese aber nicht in die Richtung steuern, in die er sie gern treiben möchte. Schlägt der Zeuge dann doch den gewünschten Parcours ein, rutscht ihm ein lapidares "d'accord" heraus, einverstanden. Das klingt manchmal fast unbeholfen.

Doch Metzner ist ein Aktenfresser, ein unermüdlicher Arbeiter. Er scannt, wie Kollegen bewundernd anerkennen, hunderte Seiten Protokolle in Rekordgeschwindigkeit und kann diese Informationen jederzeit abrufen. Mit Zeugen spielt er manchmal regelrecht Pingpong.

Metzner ist zugleich ein glänzender Taktiker. Er nutzt den kleinsten Verfahrensfehler oder erfindet zur Not einen, wenn er ihn nicht findet. Im Prozess um den Börsenhändler Jérôme Kerviel, der seinem Arbeitgeber, der Großbank Société Générale, mit unerlaubten Spekulationen einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro eingebracht haben soll, hat er in den vergangenen zwei Wochen so viele Zeugen vorsprechen lassen, dass die von der Bank erhobene Einzeltäter-These inzwischen erheblich wankt.