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Anlegen in der Krise:Trend zum grünen Geld

Nachhaltige Anlagen sind derzeit gefragt. Probleme gibt's aber noch mit der Transparenz. Abhilfe soll jetzt ein europäisches Logo schaffen.

Caspar Dohmen

Seit der Pleite der US-Bank Lehman legen mehr Anleger in Deutschland ihr Geld nachhaltig an. Der Verkauf entsprechend gemanagter Fonds ist im laufenden Jahr um mehr als fünf Prozent gestiegen. Das Angebot bei den Fonds ist allerdings unübersichtlich. Abhilfe schaffen soll ein Transparenzlogo. In Ländern wie den USA spielt nachhaltige Geldanlage eine größere Rolle.

Geld, ddp

Derzeit greifen vor allem Profis zu nachhaltigen Anlagen.

(Foto: Foto: ddp)

"Das Interesse an nachhaltiger Geldanlage ist deutlich gestiegen", sagte Volker Weber, Vorstandsvorsitzender des "Forums nachhaltige Geldanlage" der SZ. Er belegt dies mit den Verkaufszahlen entsprechend gemanagter Fonds: Bei den verkauften Anteilen habe es im laufenden Jahr bislang ein Plus von fünf bis sieben Prozent gegeben. Bei nachhaltigen Geldanlagen werden neben der Rendite auch ökologische und soziale Aspekte oder die Art der Unternehmensführung berücksichtigt.

Fünf Prozent Rendite

Vor allem Profis satteln immer mehr auf nachhaltige Geldanlagen um. "Nachhaltigkeit ist derzeit vor allem ein Thema für institutionelle Anleger wie Stiftungen oder Kirchen", sagt Christian Greiner, Nachhaltigkeitsexperte bei der Meag, dem Vermögensverwalter der Münchener Rück Gruppe. Ihnen gehe es dabei um eine stabile Wertentwicklung, aber auch um ein gutes Gewissen, sagt er. Möglich seien Renditen von durchschnittlich fünf Prozent.

Die Münchener Rück legt den weitaus überwiegenden Teil ihrer Anlagen nachhaltig an und ist damit ohne große Blessuren durch die Krise gekommen. Institutionelle Investoren waren bereits vor 20 Jahren unter den Pionieren bei der nachhaltigen Geldanlage.

Zuletzt entfielen 63 Prozent der nachhaltigen Investments in Deutschland auf institutionelle Anleger und 37 Prozent auf private Investoren. Die Schere öffnet sich weiter. "Privatanleger halten sich noch zurück", sagt Greiner. Dies belegen auch die Halbjahreszahlen des Bundesverbandes der Investmentgesellschaften (BVI). 67 nachhaltige Fonds für Privatanleger sind hier erfasst, aus mehr als der Hälfte flossen im ersten Halbjahr netto Mittel ab.

Weber wünscht sich Unterstützung von der Politik: Banken sollten verpflichtet werden, bei Beratungsgesprächen das Kriterium Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Außerdem sollten die Bankmitarbeiter besser geschult werden. "Aus Unwissen über nachhaltige Produkte verkauften viele lieber Standardprodukte", kritisiert Weber, der als Vorsitzender des "Forums nachhaltige Geldanlagen" sowohl die Interessen von grünen Banken wie der GLS oder der Umweltbank vertritt, als auch die traditioneller Geschäftsbanken wie LBBW oder WestLB. In Deutschland kommt Banken bis heute eine Schlüsselrolle beim Verkauf von Finanzprodukten zu, sie bringen den weitaus überwiegenden Teil von Aktien, Fonds oder Immobilien unter die Leute.

Kaum Durchblick bei nachhaltigen Finanzprodukten

Nachhaltigkeit bedeutet, so zu wirtschaften, dass die Lebensgrundlagen künftiger Generationen erhalten bleiben. Wie in der Forstwirtschaft, wo immer nur so viele Bäume gefällt werden dürfen, wie nachwachsen können. Seit den 90er Jahren gibt es nachhaltige Kapitalanlagen. Zunächst verstand man darunter fast nur Investments in Produzenten umweltfreundlicher Technologien. Heute werden unter dem Label Nachhaltigkeit sehr viele Finanzprodukte verkauft. Anleger haben deswegen kaum noch einen Durchblick.

Bessere Orientierung soll ein europäisches Transparenzlogo bringen, das die Geldbranche derzeit diskutiert. Die Verkäufer nachhaltiger Anlageprodukte müssten dann ihre genauen Auswahlkriterien gegenüber den Kunden offenlegen. "Sache des Anlegers bleibt es jedoch, sich diese genau anzuschauen, weil mit dem Zertifikat keine Anlagerichtlinien verbunden sind", sagt Weber. So könnte es sein, dass der Betreiber eines Atomkraftwerkes im Fonds enthalten ist, weil er in der Sparte der Energieproduzenten als Ergebnis des Analyseprozesses die beste Note erhalten hat.

Damit böte ein solches Transparenzlogo deutlich weniger Orientierung als Logos, die es heute bereits für fair gehandelte oder biologische Produkte gibt. Mit einem Logo ist hier auch ein nachhaltiger Herstellungsprozess verbunden.

Trotz der jüngsten Verkaufserfolge ist den meisten Anlegern in Deutschland die Nachhaltigkeit ihrer Geldanlage noch ziemlich egal. Zum 30. Juni waren in nachhaltig ausgerichteten Fonds 22,5 Milliarden Euro angelegt; dies entspricht gerade einmal einem Prozent des deutschen Anlagevermögens. Deutlich weiter sind die Briten mit 7,5 Prozent und die Vereinigten Staaten mit zehn Prozent.

© SZ vom 24.08.2009/gits/mel

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