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Anlageberater Hellmeyer:"An der Börse herrscht der Homo panicus"

Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Landesbank Bremen, gilt als Asterix der Branche - und spricht über neue Höchststände, die Arroganz der Investmentbanker und eigene Fehler.

Wir befinden uns im Jahr drei nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers. Die globale Finanzwelt wird noch immer von Bankenriesen beherrscht. Die ganze Welt? Nein, es gibt noch kleine Geldhäuser, die sich einen unabhängigen Geist bewahren. Dazu zählt die winzige Landesbank Bremen, die unbeschadet durch die Turbulenzen kam.

Börse Frankfurt

Analysten wie Folker Hellmeyer verfolgen die Dax-Kurven sehr genau.

(Foto: dpa)

Ihr Chefanalyst Folker Hellmeyer gefällt sich in der Rolle des Comic-Kriegers Asterix, der stets gegen die Übermacht der Großbanken aufbegehrt. "Ich bin in höchstem Maße enttäuscht, dass man die globale Bankenaristokratie nicht auf eine Größe zurechtstutzte, die der Finanzkraft der einzelnen Staaten entspricht", sagt der Landesbanker.

In der Arroganz der Global Player sieht Hellmeyer die Wurzeln der Krise. Dass die Finanzkonzerne trotz des Schadens, den sie anrichteten, nicht zerschlagen wurden, hält er für falsch. Spricht da der Neid aus einem, der nicht halb so viel verdient wie die Spitzenmanager in London und New York? "Diese Personen sind extrem überbezahlt", wettert Hellmeyer.

Er habe nichts gegen gesunden Egoismus, aber: "In den Vorstandszimmern der Finanzkonglomerate wird Egozentrik gelebt, und das ist schlecht." Das Leben ist nicht einfach für die Vertreter der Hochfinanz, wenn sie mit dem Asterix aus Bremen auf einem Podium sitzen, um über den Kapitalismus zu diskutieren. Dann ziehen die Legionäre der Finanzfeldherrn erschrocken den Kopf ein. Hellmeyer genießt das.

Regelmäßiger Fernsehgast

Es gab eine kurze Phase in seinem Leben, da wollte er Schauspieler oder Sänger werden. "Mein Vater sagte mir, dass die Familie das nicht notwendig unterstützen würde, es aber meine Entscheidung sei", erzählt er. "Ich sollte etwas Anständiges lernen." Das - so glaubten er und sein Vater - tat er dann auch.

Nach einer Lehre bei der Deutschen Bank besuchte Hellmeyer eine Bankakademie und wurde Devisenhändler. "Als ich 1988 aus London zurückkam, waren die Fehlentwicklungen im Investmentbanking schon erkennbar", sagt er. "Charaktere mit geringer Integrität saßen in hohen Positionen und ignorierten die Verantwortung des Bankensektors für die Volkswirtschaft."

Hellmeyer, auch physisch imposant, setzt sich gern provokant in Szene. Deshalb ist der Anlagestratege regelmäßig Gast im Fernsehen. Meist wollen die Journalisten nur eines wissen: Was kommt für die Anleger heraus? "Meine Prognose für den Deutschen Aktienindex in diesem Jahr sind 7000 Punkte", sagt er.

2011 soll es noch besser kommen, er schließt historische Höchststände nicht aus: "Ich sehe im Minimum 7800 Punkte". Das passt zu ihm. Hellmeyer ist Optimist. Champagner versprach er den Börsianern schon vor einem Jahr, sie sollten ihn bekommen; zwischendurch wäre aber Magenbitter hilfreich gewesen. Die Kurse schnellten nicht gerade wie Champagnerkorken hoch.

Für seine Zuversicht hat Hellmeyer einen einfachen Grund: Der Dax ignoriert seiner Meinung nach bisher die gute Verfassung der Realwirtschaft. "Wir haben es an der Börse derzeit mit dem Homo panicus zu tun, der sehr von der Vergangenheit der Krise in Anspruch genommen wird." Der Höhepunkt der Krise sei aber vorbei. Zeit also, wieder den Homo euphoricus hervorzukehren.