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Angst vor Inflation:Gold! Gold! Gold!

Anleger hamstern Gold - vor den Bankschaltern bilden sich bereits lange Schlangen. Die Bemühungen der Europäischen Zentralbank, die Angst vor Inflation zu zerstreuen, laufen ins Leere.

EZB-Chef Jean-Claude Trichet versucht, die Furcht der Bevölkerung vor einer drohenden Inflation zu zerstreuen. "Wir lassen jetzt nicht die Gelddruckmaschinen rotieren. Unser Ziel ist Preisstabilität auf mittlere und lange Sicht," sagte Trichet im französischen Fernsehen.

Gold, dpa

Produktion von Gold: Das Edelmetall ist derzeit sehr gefragt - Anleger sehen daran den sicheren Hafen.

(Foto: Foto: dpa)

Der EZB-Chef gibt derzeit so viele Interviews wie nie zuvor in seiner Amtszeit. Er will den historischen Schwenk der Bank in ihrer Geldpolitik erklären.

Mehr als 1000 Euro

Die EZB mischt seit Montag als Händler direkt an den Finanzmärkten mit. Die Notenbanker kaufen die Staatsanleihen angeschlagener Euro-Staaten, um deren Kreditkosten niedrig zu halten. Hintergrund ist die drohende Pleite Griechenlands, dessen Zinskosten zeitweise auf mehr als 20 Prozent gestiegen waren. Die Direktkäufe der EZB können jedoch die Geldmenge im Euro-Raum massiv erhöhen, einige Experten befürchten deshalb eine Geldentwertung.

Ein Indiz für die zunehmenden Inflationsängste der Investoren ist der Goldpreis. Er ist am Freitag auf ein Rekordniveau geschnellt. Eine Feinunze des Edelmetalls kostete 1248,95 Dollar. In Euro gerechnet übersprang der Preis des Edelmetalls die wichtige Marke von 1000 Euro und stieg auf bis zu 1002,69 Euro.

Vor allem in Deutschland und der Schweiz haben viele Privatleute in den vergangenen Tagen Goldbarren und Münzen gekauft. Banken und Edelmetallhändler berichten vereinzelt von langen Käuferschlangen, die bis auf die Straße hinausgereicht hätten. Gold gilt historisch als letzte Rettung gegen die Geldentwertung, weil es - anders als Papiergeld - nicht unbegrenzt vermehrbar und damit wertstabiler ist.

Neben der Inflationsangst muss sich die EZB auch mit der anhaltenden Talfahrt des Euro auseinandersetzen - schließlich wollte die Notenbank mit ihren Maßnahmen vor allem die Gemeinschaftswährung stabilisieren. Allerdings notierte der Euro am Freitag mit 1,24 Dollar gegen die amerikanische Währung auf dem tiefsten Stand seit November 2008. Auch der Dax fiel aus Sorge um den Euro kräftig; er verlor rund drei Prozent.

Auch die US-Börsen gingen zum Wochenausklang mit Verlusten aus dem Handel. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor am Freitag 1,5 Prozent auf 10.620 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab 1,9 Prozent auf 1135 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank um knapp zwei Prozent und schloss bei 2346 Stellen.

Als Hauptgrund für den Wertverlust des Euro nennen Devisenexperten die Furcht vor einem schwachen Wirtschaftswachstum in Europa. Die harten Sparmaßnahmen in den öffentlichen Haushalten der EU-Staaten könnten den Aufschwung bremsen, so die Befürchtung.

EZB zieht Geld ab

Für zusätzliche Unruhe sorgte Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, der Griechenland trotz EU-Hilfen die Bonität absprach. Die Notenbank unterstreicht hingegen ihre Sparaufrufe. "Es gibt keine Alternative zu einer schnellen und glaubhaften Haushaltskonsolidierung", sagte EZB-Ratsmitglied und Bundesbankchef Axel Weber laut Redetext bei einer Veranstaltung der brasilianischen Zentralbank in Rio de Janeiro.

Die EZB will die drohende Inflationsgefahr nun eindämmen, indem sie die Geldmenge kontrolliert: Jeder Euro, der durch den Kauf von Staatsanleihen in den Geldkreislauf kommt, soll an anderer Stelle wieder abgezogen werden. Die EZB will das durch die Ausschreibung verzinslicher Termineinlagen erreichen. Geschäftsbanken sollen also ihr überschüssiges Kapital bei der EZB anlegen.

Deutschland soll nach dem Willen von EZB-Chef Trichet chronischen Defizitsündern künftig stärker auf die Finger schauen. "Ich zähle auf die aktive Rolle aller Länder, inklusive Deutschlands, die Funktion der Überwachung einzuführen", sagte Trichet dem Handelsblatt. Deutschland habe eine lange Tradition gesunder Staatsfinanzen.