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Altersvorsorge:Manchmal sind die Deutschen richtig schnell

Für Beschäftigte werden automatisch Sparverträge geschlossen, aus denen man aber austreten kann. Wer mitmacht, legt vier Prozent seines Einkommens zurück, der Staat hilft mit einem Prozent, und die Firmen legen weitere drei Prozent drauf.

Trotz der Nachteile haben die Briten auch Vorteile im Kampf gegen die alternde Gesellschaft. So arbeiten die Menschen länger als hierzulande. Der Durchschnittsbrite wechselt mit 63 Jahren in den Ruhestand, der Deutsche mit 61 Jahren. Das liegt nicht nur an den niedrigen Renten, sondern auch am Arbeitsmarkt.

Kürzere Lebensdauer

Ältere finden wegen der weiterhin guten Konjunktur leicht einen Job. Es wandern mehr Menschen ein, britische Frauen gebären mehr Kinder als deutsche, und der Staat zahlt nur 60 Prozent dessen, was der deutsche zahlt. Der Grund: Die Rente in Großbritannien ist niedriger, und die Briten leben im Durchschnitt kürzer.

Wer hat nun das bessere Rentensystem? John Hills zuckt mit den Achseln. Das könne man nicht wissen, sagt er und verweist auf die Unterschiede. In einem Staatssystem tragen die Steuerzahler das Risiko der alternden Gesellschaft, weil sie dessen Ausgaben finanzieren.

In einem Privatsystem übernehmen dies Aktienbesitzer und Unternehmen, weil sie die Kosten für die Renten tragen. Um die Lasten zu mindern, sei ein Mix am besten. Doch das reicht nicht. Hills: "Das ideale System muss anpassungsfähig sein, weil wir die Zukunft nicht kennen."

Axel Börsch-Supan ergänzt: "Wir müssen auch Experimente wagen, etwa bei der Privatvorsorge, weil wir nicht genau wissen, wie manches in der Praxis funktioniert." Damit könnten sich Sozialpolitiker schlecht anfreunden.

Flexibles deutsches System

Eines zeigt der Vergleich der Systeme aber doch. Das geschmähte deutsche Sozialsystem ist recht flexibel. Die Briten brauchten drei Jahre, um Ideen zu entwickeln, die nun langsam in Gesetze umgewandelt werden.

Von den Plänen der vergleichbaren Rürup-Kommission sind viele schon in Kraft. Sieben Millionen Menschen haben die Riester-Rente abgeschlossen, und die Rente mit 67 steht bald im Gesetzblatt. Dazu Hills: "Die Deutschen sind manchmal schnell."

© SZ vom 22.11.2006
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