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Aktien: Es geht nicht ohne:Den Mutigen gehört das Geld

Anleger bekommen Gänsehaut, wenn sie auf die Börse schauen. Sie sollten ihre Furcht überwinden - Geschäfte mit Wertpapieren lohnen sich.

Reich durch Aktien. Das ist der Traum, den in den neunziger Jahren viele Deutsche geträumt haben. Zwei Börsencrashs und ein Jahrzehnt später glaubt kaum noch jemand daran. Der Aktienkult ist erloschen - und das ist gut und schlecht zugleich.

Bloß keine Scheu vor Aktien: Der Zickzack-Kurs der Wertpapiere liegt in ihrem Wesen.

(Foto: ag.ap)

Gut, weil nicht mehr hungrige Käufer die Kurse in stratosphärische Höhen schießen. Schlecht, weil nun vielen Anlegern ein wichtiger Baustein ihrer Geldanlage fehlt: die Aktien. Für eine solche unternehmerische Beteiligung braucht es Überzeugung und Geduld.

"Die Aktie hat einen Feind: die tägliche Kursnotiz, denn diese schwankt", sagt der Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach. "Deshalb gelten Dividendenpapiere als risikoreich." Ein offener Immobilienfonds oder eine Anlage beim Milliardenbetrüger Madoff wurden dagegen lange als sicher abgestempelt, eben weil ihr Wert unerschütterlich und stabil zu sein schien - bis die Finanzkrise den Irrtum auffliegen ließ.

Abzocker erschrecken Anleger

Die Manager etlicher Immobilienfonds und der Abzocker Madoff haben ihren Kunden Sand in die Augen gestreut. Da sich die Preise ihrer Fonds vor der Krise kaum bewegten, galten sie als sicher.

Die Aktie dagegen wird als riskant eingeschätzt, weil es zu ihrem Wesen gehört, dass der Kurs im Zickzack läuft. Ihre täglichen Preissprünge irritieren so manchen Anleger, der sich mehr an der Börsennotiz denn am Geschäft eines Unternehmens orientierte.

Besonders heftig schlug der V-Dax, der die erwarteten Preisschwankungen der deutschen Aktien misst, Mitte September 2008 aus, als die US-Investmentbank Lehman Brothers pleite ging und die Aktienkurse in den Keller rauschten. Nur die Mutigen haben damals Aktien gekauft, als das Angstbarometer Spitzenwerte erreichte. Es war eine richtige Entscheidung, die allerdings immer wieder auf die Probe gestellt wurde.

Alarmstimmung an den Börsen

Im Laufe der Finanzkrise haben sich die Schulden vom amerikanischen Konsumenten und Hausbesitzer mit der gewaltigen Hypothek zu den Banken durchgefressen, die dicke im Geschäft mit verbrieften Darlehen steckten. Inzwischen sind die Schulden beim Staat angelangt, der sich mit allerhand Notprogrammen verausgabte. Eine Zeit lang hat das Leben auf Pump niemanden beunruhigt, obwohl die Industrieländer schon weit vor der Finanzkrise damit begannen.

"In den vergangenen 25 Jahren sind Staatsanleihen das Maß aller Dinge gewesen, ihr Ausfallrisiko lag nahe null", sagt Frank Naab, Leiter Portfoliomanagement bei Metzler Private Banking. Doch seit das griechische Drama die Anleger in seinen Bann gezogen hat, herrscht Alarmstimmung an den Börsen. "Nunmehr muss man auch damit rechnen, dass sogar Anleihen von Euro-Staaten nicht pünktlich oder vollständig bedient werden könnten", glaubt Naab.

Es muss ja nicht gleich eine Pleite sein. Für die Besitzer von Anleihen ist es schon unangenehm, dass der Anstieg der Staatsverschuldung für die Zukunft Inflationsgefahren birgt. Doch hieraus können sich auch Chancen ergeben: Während ein Anstieg der Teuerungsrate auf fünf Prozent zu großen Verlusten am Rentenmarkt führen würde, wirken sich moderat steigende Preise in der Regel positiv auf den Aktienmarkt aus.