bedeckt München 21°

Aktien:"Die Verlierer der Abgeltungsteuer"

Zum 1. Januar 2009 führt der Staat die Abgeltungsteuer von 25 Prozent ein - langfristige Anleger müssen mit einigen Belastungen rechnen.

Langfristig orientierten Anlegern wurde bislang von Finanzfachleuten empfohlen, in Aktien zu investieren. Über die Dauer von zwei bis drei Jahrzehnten brachte diese Anlageform in der Vergangenheit regelmäßig die höchsten Renditen. Ob Aktien auch nach Einführung der Abgeltungsteuer ihre Top-Platzierung auf der Empfehlungsliste verteidigen können, muss sich noch zeigen.

Dividenden werden ab 2009 vollständig besteuert, und nicht mehr wie bislang nach dem Halbeinkünfteverfahren mit nur 50 Prozent belastet.

(Foto: Foto: Photocase/rebealk)

Jetzt schon sicher sind aber einige grundlegende Änderungen für Aktionäre ab 2009. Eine der augenfälligsten Neuerungen ist der Wegfall der Spekulationsfrist. Bislang galt und gilt für Aktien, die bis Ende 2008 erworben werden: Bei einer Haltedauer der Aktie von über einem Jahr sind mögliche, durch Verkauf realisierte Kursgewinne steuerfrei.

Diese Privileg entfällt ab 2009. Mit Einführung der Abgeltungsteuer werden alle realisierten Kursgewinne bei Aktien, die nach dem 31. Dezember 2008 gekauft werden, pauschal mit 25 Prozent besteuert. Positiv betrachtet macht der Wegfall der Spekulationsfrist den Anleger in seiner Verkaufsentscheidung unabhängiger von steuerlichen Überlegungen. Die Steuer fällt so oder so an, ganz gleich, wie lange er die Aktie besessen hat. Aber gerade langfristig orientierte Aktionäre büßen so 25 Prozent ihres Gewinns ein.

Wie in Zukunft Gewinne mit Verlusten verrechnet werden

Allerdings kann die steuerliche Belastung reduziert oder vermieden werden, wenn sich Verluste aus Kapitalanlagen dagegen rechnen lassen. Auch hier kommt auf Aktionäre Neues zu, aus ihrer Sicht aber nichts Positives. Denn während sich Gewinne und Verluste bei anderen Investments über die einzelnen Anlageformen hinweg miteinander verrechnen lassen, können Verluste aus Aktienverkäufen steuerlich nur Aktienkursgewinne ausgleichen, nicht aber Kapitalerträge aus einem Fonds.

Eine weitere Änderung ist die ab 2009 fällige vollständige Besteuerung von Dividenden, die bislang nach dem Halbeinkünfteverfahren nur zu 50 Prozent steuerlich belastet wurden. Auch die Möglichkeit, die Kosten für die Fahrt zur Hauptversammlung steuerlich abzusetzen, entfällt ab 2009.

"Aktien sind leider die Verlierer der Abgeltungsteuer", sagt Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut (DAI). Die Bemessungsgrundlage, nach der sich die Höhe der Steuerlast bemisst, werde nach Berechnungen des DAI versechsfacht. ´

Diese Steigerung setzt sich zusammen aus den ab 2009 voll zu versteuernden Dividenden sowie der Versteuerung der Kursgewinne, die für zwei Drittel der Aktienrendite verantwortlich sind.

Aktien büßen ihre Attraktivität ein

Dennoch bleiben Aktien aus Sicht von Leven auch weiterhin attraktiv. Allerdings schränkt Leven ein: "Aktien verlieren etwas von ihrem Vorsprung vor anderen Anlageformen". Zwar würden sie auch durch die Abgeltungsteuer nicht weniger attraktiv als festverzinsliche Wertpapiere, aber unter der steuerlichen Benachteiligung leide natürlich das Rendite-Risiko-Verhältnis.

Ob es mit Blick auf die bei Kursgewinnen gesparten Steuern ratsam ist, noch in diesem Jahr Aktien zu kaufen, vermögen Experten aufgrund der diesjährigen Entwicklung an den Aktienmärkten nicht zu sagen. Denn angesichts der Finanzkrise halten es einige Marktbeobachter inzwischen durchaus für denkbar, dass die steuerlichen Nachteile bei einem Aktienkauf im kommenden Jahr durch mögliche bis dahin weiter gesunkene Kurse wettgemacht werden.

© sueddeutsche.de/m.autenrieth/sme/mel
Zur SZ-Startseite