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Ackermann stellt Reformvorschläge vor:Banken gestehen - und versprechen Besserung

Als Reaktion auf die Finanzkrise wollen die großen internationalen Banken ihre Geschäftspraktiken umfassend reformieren. Die Hauptschuld sehen sie bei sich selbst.

Nikolaus Piper

Als Reaktion auf die Finanzkrise wollen die großen internationalen Banken ihre Geschäftspraktiken umfassend reformieren. Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, stellte einen entsprechenden Bericht am Donnerstag in Washington vor. "Die Finanzbranche erkennt ihre Verantwortung an", sagte der Manager.

An dem Bericht hatte eine Arbeitsgruppe des von den Banken getragenen Institute of International Finance (IIF) neun Monate lang gearbeitet. Hinter den Empfehlungen stehen 380 weltweit tätige Finanzinstitute. Ackermann ist der Vorsitzende des IIF. Zu den wichtigsten Vorschlägen in dem Report gehört die Einrichtung eines gemeinsamen Ausschusses der Banken, der die Rolle eines Frühwarnsystems übernimmt und Risiken für das Finanzsystem rechtzeitig erkennen soll.

Außerdem soll sich die Bezahlung der Bankmanager stärker an der langfristigen Ertragskraft der Unternehmen orientieren und an den Risiken, die sie eingegangen sind. Abfindungen sollen davon abhängen, ob ein Manager der Firma nicht langfristig geschadet hat.

Keine Selbstregulierung

Die ersten Empfehlungen sollten "binnen Wochen" umgesetzt werden, der gesamte Bericht bis Ende des Jahre, sagte Ackermann. Die Banken wollten auch mit ihren Vorschlägen nicht bloß eine schärfere staatliche Regulierung verhindern, versicherte er. Die Branche strebe keine "Selbstregulierung" an.

Der Bericht macht klar, dass schwere Managementfehler der Banken entscheidend zu Schwere und Dauer der Finanzkrise beigetragen haben: Die Institute haben ihre Kreditstandards gesenkt, sie rechneten nicht mit der Möglichkeit, dass sie bestimmte Wertpapiere nicht mehr würden verkaufen können, und gingen Risiken ein, die sie nicht mehr überblickten.

Die zum Teil sehr detaillierten neuen Richtlinien im Report des IIF sollen dazu dienen, das Risikomanagement der Banken entscheidend zu verbessern. Kritisch setzen sich die Banken mit den Ratingagenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch auseinander. Die Agenturen schätzen das Ausfallrisiko von Wertpapieren ein. Kurz vor Ausbruch der Krise hatten sie komplizierten Hypothekenanleihen, die sich später als praktisch unverkäuflich erweisen sollten, Spitzenbewertungen gegeben. Als Konsequenz fordern die Banken, dass die Agenturen ihrerseits eine externe Bewertung ihrer Arbeit zulassen.

"Dialog auf höchster Ebene"

Uneins sind sich die Banken bei der Frage, wie Vermögen und Schulden künftig in den Bilanzen bewertet werden. Nach den bisherigen Vorschriften müssen sie regelmäßig an Marktpreise angepasst werden. Die Mehrheit der Institute, darunter die Deutsche Bank, glaubt, dass diese Regelung Finanzkrisen noch verschärfen kann, weil dadurch Verluste in den Bilanzen übertrieben werden. Die Investmentbank Goldman Sachs war wegen Unstimmigkeiten in dieser Frage aus dem IIF ausgeschieden.

Ackermann sprach sich für einen "Dialog auf höchster Ebene" über die Frage aus, ob die Bilanzregeln nicht unter bestimmten Umständen variiert werden könnten. Der Bericht gibt keine klaren Empfehlungen, legt jedoch Änderungen nahe. Unter den gegenwärtigen schwierigen Marktbedingungen sollten jedoch keine neuen Vorschriften eingeführt werden, da dies zu "Missinterpretationen" führen könne, sagte Ackermann.

Vorsichtig optimistisch äußerte sich der Vorstandschef des deutschen Branchenprimus zu den ökonomischen Aussichten. Zwar halte die Immobilienkrise in den USA an, in der Finanzbranche sei jedoch "der Anfang vom Ende der Krise" zu erkennen. Die meisten großen Banken stünden jetzt "auf solider Grundlage". Der Anstieg der Rohstoffpreise und der wachsende Inflationsdruck stellten die Zentralbanken der Welt jedoch vor ernste Herausforderungen.

© SZ vom 18.07.2008/hgn/aho
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