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Abgeltungsteuer:Neues Schlupfloch für Steuermuffel

Allzweckwaffe Riester: Mit Hilfe der privaten Altersvorsorge können Anleger die Abgeltungsteuer umgehen. Auch Selbständige profitieren.

Wenn es darum geht, für ihre Kunden Steuersparmodelle zu finden, können Banken und Finanzdienstleister durchaus einfallsreich sein. So ist es auch bei der neuen, 25 Prozent hohen Pauschalsteuer für Kapitaleinkünfte, die von 2009 an gilt. Lebensversicherer, Investmentgesellschaften und Anbieter von Unternehmensbeteiligungen verkaufen seit Monaten bestimmte Anlagen mit dem verlockenden Hinweis "abgeltungsteuerfrei".

Mit Hilfe von Riester-Verträgen können Anleger viel Geld sparen.

(Foto: Foto: dpa)

Nun haben Fondsanbieter ein neues Schlupfloch entdeckt: Wer einen Riester-Fondssparplan unterzeichnet, ohne die nach dem früheren Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) benannte staatliche Förderung nutzen zu können, kann ebenfalls Abgeltungsteuer sparen. Verbraucherschützer warnen allerdings davor, nur wegen möglicher Steuerersparnisse einen langfristigen Vorsorgevertrag abzuschließen.

Millionen von Fondssparern gehören zu den Verlierern der neuen Steuer. Der Branchenverband BVI rechnete Anfang 2008 vor: Investiert ein Sparer 30 Jahre lang 100 Euro monatlich in einen Aktienfonds, beläuft sich die Endsumme bei einer durchschnittlichen Wertentwicklung von derzeit unerreichbaren 8,3 Prozent auf 150.000 Euro. Bei einer von 2009 an eingezahlten Summe von 36.000 Euro (360 x 100) fällt auf 114.000 Euro eine Abgeltungsteuer von 31.920 Euro an (inklusive Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer).

Nach derzeit noch gültigem Recht bekommt der Fiskus von der Auszahlungssumme dagegen nach 30 Jahren gar nichts. Die Abgeltungsteuer macht klassische Fondssparpläne also unattraktiver. Ganz anders sieht die Situation bei Riester-Fondssparplänen aus. Hier sind drei Varianten zu unterscheiden:

Der Normalfall

Wer rentenversicherungspflichtig oder Beamter ist, hat Anspruch auf staatliche Zulagen oder Steuervorteile. Der Sparer zahlt in der Ansparphase während seines Berufslebens Beiträge ein. Weder dafür noch für Zinsen oder Dividenden fallen Steuern an. Im Gegenzug muss er dafür die lebenslange monatliche Riester-Rente am Ende der Laufzeit in voller Höhe versteuern, sofern seine steuerrelevanten Einkünfte über dem Existenzminimum liegen. Im Fachjargon spricht man von der "nachgelagerten Besteuerung". Die Abgeltungsteuer gilt hier nicht.

Der Spezialfall

Der Sparer hat keinen Anspruch auf die Riester-Förderung, etwa weil er selbständig oder Freiberufler ist. Dann kann er trotzdem in ein Riester-Fondsprodukt einzahlen. Er bekommt keine Zulagen oder Steuervorteile, unterliegt damit aber auch nicht der nachgelagerten Besteuerung. Für ihn ist das Recht maßgebend, das auch für nach 2004 abgeschlossene Lebensversicherungen gilt: Die Hälfte seiner Erträge ist steuerfrei, die andere Hälfte mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern (Halbeinkünfteverfahren).

Bei einem Spitzensteuersatz von derzeit 45 Prozent (inclusive drei Prozent Reichensteuer) fallen auf seine Gewinne also maximal 22,5 Prozent Steuer an - also etwas weniger als die 25 Prozent Abgeltungsteuer. Hinzu kommt: In der Ansparphase sind alle Erträge aus Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen steuerfrei. Wegen dieser Steuerstundung bleibt mehr Geld übrig, das angelegt werden kann und sich mit zunehmender Laufzeit durch den Zinseszinseffekt vermehrt. Einzige Voraussetzung, um diesen Steuervorteil nutzen zu können: Der Vertrag muss mindestens zwölf Jahre bestehen, und der Sparer muss bei der Auszahlung älter als 60 Jahre sein.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie die Lage für Gutverdiener aussieht - und für wen sich diese Art von Investment schließlich lohnt.