30. November 2011, 17:12 Konzertierte Aktion zur Stützung des Euro Notenbanken fluten Finanzmärkte mit Milliarden

Die Furcht der amerikanischen Banken vor einem Kollaps der Währungsunion in der EU ist so groß, dass die Geldflüsse zwischen europäischen und US-Banken auszutrocknen drohen. Jetzt pumpen die wichtigsten Zentralbanken in einer konzertierten Aktion Milliarden in den Markt. Die Börse reagiert mit einem Kursfeuerwerk.

Die wichtigsten Notenbanken der Welt stellen den globalen Finanzmärkten in einer überraschenden und koordinierten Aktion mehr Geld zur Verfügung. Ziel der Aktion sei, die Spannungen an den Märkten zu reduzieren und damit auch die Realwirtschaft zu unterstützen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Europäischer Zentralbank, der US-Notenbank Federal Reserve sowie der Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz.

Vor allem geht es darum, den Banken die Aufnahme von Krediten in Fremdwährungen wie etwa dem Dollar zu erleichtern. Aus Sicht von US-Banken ist ein Engagement in Europa mittlerweile hochriskant. Darum ist der transatlantische Interbankenhandel mittlerweile weitgehend zum Erliegen gekommen.

Kursfeuerwerk an der Börse

Daher haben sich die Zentralbanken darauf geeinigt, die Kosten bestehender Dollar-Swaps, also Tauschgeschäften zwischen beispielsweise Euro und Dollar, ab dem 5. Dezember um einen halben Prozentpunkt zu reduzieren.

An den Aktienmärkten löste die Aktion ein Kursfeuerwerk aus: Der Dax baute seine Gewinne bis zu fünf Prozent aus. Auch der Euro gewann gegenüber dem Dollar deutlich an Wert.

Doch die Begeisterung der Anleger dürfte nur von kurzer Dauer sein. "Die Notenbanken tragen ihren Teil dazu bei, die Finanzkrise zu entschärfen. Es muss aber klar sein, dass viele Probleme damit nicht gelöst werden", sagte Rainer Sartoris, Marktexperte bei der Bank HSBC Trinkaus. Wenigstens werde sichergestellt, dass die Banken genügend Dollar-Liquidität zu besseren Konditionen als bisher erhielten.

Ebenfalls an diesem Mittwoch hat Chinas Zentralbank weitere Maßnahmen gegen ein nachlassendes Wirtschaftswachstum ergriffen. Die Grenze für Pflichteinlagen der heimischen Banken bei der Zentralbank - sogenannte Mindestreserven - werde per 5. Dezember um 0,5 Prozent gesenkt.

Damit soll mehr Geld für die Vergabe von Krediten freigegeben und das Wirtschaftswachstum angekurbelt werden. Es ist der letzte in einer Reihe von Kontrollmechanismen, die Peking nun wieder zurücknimmt, nachdem es sie in den vergangenen zwei Jahren eingerichtet hatte, um die überhitze Wirtschaft abzukühlen. Die chinesische Führung fürchtet, dass weniger Nachfrage nach chinesischen Exporten das Wirtschaftswachstum zu abrupt verlangsamen könnte.