Gastbeitrag
Europa nach der liberalen Weltordnung
Lesedauer: 6 Min.
Marc Saxer
Publizist
Marc Saxer ist Publizist und lebt und arbeitet seit zwei Jahrzehnten in Asien. Er ist Mitglied der SPD-Grundwertekommission. Sein Buch „Wolfswelt: Strategien für Europa nach dem Zusammenbruch der liberalen Weltordnung“ erscheint in Kürze im Alfred Kröner Verlag.
Warum fällt es den Deutschen so schwer, sich in der Wolfswelt zurechtzufinden? Weil ein Land, das so lange von einer postnationalen Identität träumte, nun von allen Seiten mit ökonomischem Nationalismus konfrontiert ist. Weil das Überleben der Europäischen Union, eines fragilen, aus Verträgen gezimmerten Gebildes, in einer Welt auf dem Spiel steht, in der nur noch das Recht des Stärkeren zu gelten scheint. Und weil Deutschland ohne den europäischen Überbau und ohne die amerikanische Rückversicherung der kleinen Nachbarn wieder in der Mitte eines Kontinents stünde, der über Jahrhunderte von Kriegen zerrissen wurde.
Doch um es mit Kanadas Premierminister Mark Carney zu sagen: Nostalgie ist keine Strategie. Im Gegenteil. Sie ist gefährlich, weil sie blind macht für die eigene Verwundbarkeit und dazu verleitet, in den nächsten Krieg zu schlafwandeln.
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