Gastbeitrag
Das Gespenst chinesischer „Überkapazitäten“
Lesedauer: 7 Min.
Horst Löchel
Frankfurt School of Finance & Management
Horst Löchel ist Professor für Volkswirtschaftslehre sowie Ko-Vorsitzender des Sino-German Center an der Frankfurt School of Finance & Management. Von 2009 bis 2011 war er Direktor des Centre of Banking and Finance an der China Europe International Business School (CEIBS) in Shanghai.
Der Begriff der „Überkapazitäten“, der immer wieder im Zusammenhang mit Chinas Exportüberschüssen verwendet wird, ist aus volkswirtschaftlicher Sicht ein Unwort. „Überkapazitäten“ liegen dann vor, wenn produzierte Güter keine ausreichende Nachfrage finden – unabhängig davon, ob sie im In- oder Ausland verkauft werden. Eine gesamtwirtschaftliche Produktion hingegen, die die Binnennachfrage übersteigt, ist keine „Überkapazität“, sondern schlicht eine conditio sine qua non für einen Exportüberschuss.
Deutschland beispielsweise war in den letzten 40 Jahren fast durchweg ein Überschussland, und auch die EU steht in dieser Hinsicht nicht so schlecht da, wie es teilweise suggeriert wird. Nach China hatte sie mit 575 Milliarden Euro 2025 den zweitgrößten Überschuss in der Leistungsbilanz weltweit. Sind das auch „Überkapazitäten“?
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