Die Lage. Wenige Tage vor dem Nato-Gipfel in Ankara kreisen bereits die Überlegungen der Beteiligten um den US-Präsidenten. Und auch Putin und Selenskij riefen Trump am Wochenende nacheinander an. Der Vorwand: Sie gratulierten zum 250-jährigen Jubiläum der Vereinigten Staaten. Der wahre Grund: Sie wollten Trump ihre Sicht auf die Lage an der Front nahebringen.
Putin will die USA wieder als Vermittler gewinnen, wie ein Kreml-Sprecher sagte. Seine Aussage ließ indes keine Veränderung russischer Positionen erkennen. Mit Selenskij will Trump Regierungskreisen zufolge am Rande des Nato-Gipfels zusammenkommen. Die Ukraine setzt auf ihre Zermürbungstaktik: 194 Mal trafen ihre Drohnen 2026 bisher russische Raffinerien, laut Financial Times elfmal so oft wie im Vorjahreszeitraum.
Das müssen Sie heute wissen: Für die europäischen Nato-Mitglieder geht es in Ankara darum, Trump bei der Stange zu halten. Trump setzt mit einer Reihe anklagender, nicht zwingend faktentreuer Posts auf Truth Social bereits den Ton: die Verbündeten und speziell Deutschland geben angeblich immer noch zu wenig für die Rüstung aus, und sie ließen die USA beim Iran-Krieg im Stich.
Die Europäer suchen nach einer Strategie, mit der sich ein US-Rückzug verhindern lässt. Dazu traf sich Merz im Kanzleramt mit den E5-Staaten Italien, Frankreich, Großbritannien und Polen und empfing die Staats- und Regierungschefs der drei baltischen Staaten. Denn egal, wie wenig verlässlich ein Nato-Bekenntnis Trumps sein mag: Es wäre allemal besser als kein Bekenntnis.
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