Guten Morgen. „Mitarbeiter behalten Produktivitätsschub oft für sich“, überschrieb die Welt gestern einen Artikel über das Phänomen, dass Arbeitnehmende mitunter niemandem verraten, ob sie dank KI schneller geworden sind und sich somit Zeit sparen. Angst davor, noch mehr Arbeit „aufgehalst“ zu bekommen, spiele eine Rolle. Der Gedanke lädt zu historischen Vergleichen ein.
Als nämlich die industrielle Revolution die Textilindustrie auf den Kopf stellte, konnten die durch dampfbetriebene Webstühle übervorteilten Weber nicht einfach „für sich behalten“, dass jetzt alles schneller geht, denn es war ja ziemlich offenkundig. Stattdessen zerstörten die sogenannten Ludditen das ganze Equipment, das ihre Arbeitskraft zu verbilligen drohte.
Bei uns weniger geläufig, wird man heute in England wieder gern als Luddite beschimpft, wenn man dem technologischen Fortschritt in Gestalt von KI skeptisch gegenübersteht. Das bemerkte auch der Economist vergangenen Monat in einem Artikel, laut dem man gar nicht bis zur Dampfmaschine zurückreisen muss, um handfestem Technikwiderstand zu begegnen.
Denn 1965 habe eine indische Versicherung einen IBM-Computer in ihrem Büro in Mumbai installiert. Ein zweiter sollte in Kalkutta folgen, doch Gewerkschaften verhinderten die Installation. Zwei Jahre lang hielten sie demnach rund um die Uhr Wache vor dem Büro und setzten sich durch. Da ist es doch vergleichbar geräuschlos, wie die Bürokräfte von heute ihren persönlichen KI-Boost unter Verschluss halten.
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