Guten Morgen. In Antiquariaten gehen seit Wochen weltweit ungewöhnliche Bestellungen ein: alte Sach- und Fachbücher, häufig Ladenhüter, teils in großen Mengen. Viele Bestellungen kommen aus Nordamerika oder werden an dortige Logistikadressen weitergeleitet.
Der Verdacht: Die Bücher könnten als Trainingsmaterial für KI-Modelle dienen. Einen Beleg dafür gibt es bisher nicht. Einen Präzedenzfall aber schon: Anthropic, der Entwickler des Sprachmodells Claude, kaufte nachweislich Millionen Bücher, trennte ihre Buchrücken ab, scannte die Seiten und ließ die Exemplare anschließend entsorgen. Gerichtsunterlagen dokumentierten das interne Vorhaben „Project Panama“.
Klar ist: Wer Eigentümer eines Buchs ist, darf darüber grundsätzlich verfügen. Doch der Kauf eines Papierexemplars gibt dem Käufer nicht automatisch das Recht, seinen Inhalt digital zu kopieren und dauerhaft in kommerzielle KI-Modelle einzuspeisen.
Die Rechtslagen in den USA und Europa sind dabei nicht identisch. In den USA bewertete ein Gericht im Fall Anthropic das Training mit rechtmäßig erworbenen Büchern als zulässig. In Deutschland und der EU gelten andere urheberrechtliche Schranken.
Der Rechtsanwalt Christian Solmecke sagte der dpa am Wochenende, entscheidend sei, wo die Bücher eingescannt werden: Geschieht das in den USA, ist für diesen Vorgang zunächst das dortige Recht maßgeblich. Welche Folgen die spätere Nutzung der Daten in Europa hat, ist damit allerdings nicht abschließend beantwortet.
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