Zuckerberg zum Datenmissbrauch "Am Ende bin ich verantwortlich"

Facebook müsse verbessert werden, sagt Chef Mark Zuckerberg.

(Foto: REUTERS)
  • Unter dem wachsenden Druck der Daten-Affäre hat sich nun Facebook-Chef Mark Zuckerberg zu Wort gemeldet.
  • In einem Facebook-Eintrag gibt er sich zerknirscht, verzichtet aber auf eine direkte Entschuldigung.
  • Der CEO kündigt zudem an, den Datenzugriff von Drittanbietern künftig zu beschränken.
Von Johannes Kuhn, Austin

In den vergangenen Tagen war ein Datenschutz-Problem bei Facebook zur Kommunikationskrise geworden: Während die Welt über den Abfluss von bis zu 50 Millionen Facebook-Nutzerdaten zur windigen Politikfirma Cambridge Analytica beriet, schwiegen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und die mächtige Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. Selbst einer Krisenversammlung der eigenen Belegschaft waren die beiden am Dienstag Medienberichten zufolge ferngeblieben.

#WhereIsZuck wurde zum Hashtag, weshalb sich nun der Facebook-Gründer nun in einem Post äußerte. Facebook habe "Fehler gemacht" und müsse seinen Dienst verbessern, erklärte der 33-Jährige. "Wir haben die Verantwortung, Eure Daten zu schützen - und wenn wir das nicht können, verdienen wir es nicht, Euch zu dienen", heißt es in dem Beitrag.

Auf eine explizite Entschuldigung verzichtete Zuckerberg, schrieb aber: "Am Ende des Tages bin ich dafür verantwortlich, was auf unserer Plattform passiert." Angesichts drohender Sammelklagen hat der 33-Jährige kommunikativ kaum Spielraum.

Der Facebook-Chef verwendete auch das Wort "Breach" - wenn auch nicht im Sinne einer "Datenpanne", sondern im Kontext eines Vertrauensbruchs. Facebook hatte vor der Veröffentlichung der Enthüllungen durch den Observer und die New York Times heftig gegen die Verwendung des Worts opponiert und betont, es habe sich nicht um eine Datenpanne gehandelt, weil der Zugang auf die Profile legal erfolgt sei, die Daten dann aber illegal weitergegeben worden seien.

Der Facebook-Chef kündigte als Reaktion auf die Kontroverse mehrere Schritte an:

  • Entwickler sollen künftig weniger Zugriff auf persönliche Informationen haben.
  • Wenn Nutzer eine Anwendung, auf die sie via Facebook zugreifen, drei Monate nicht benutzen, erhält das Programm danach keinen Zugriff mehr auf die persönlichen Daten.
  • Wer sich mit Facebook-Identität einloggt, gibt künftig nur noch Name, Profilfoto und E-Mail-Konto Preis.
  • Alle Apps, die bis zur Änderung der Datenabgreif-Einstellungen 2014 Zugang zu großen Mengen von Informationen hatten, sollen untersucht werden.
  • Verdächtige Aktivitäten würden untersucht. Entwickler, die ihre Teilnahme verweigern, werden für Facebook gesperrt.

Zuckerberg war in den vergangenen Tagen auch deshalb unter Druck geraten, weil erstmals offen über eine stärkere Regulierung der Plattform diskutiert wird. Der Aktienkurs hatte daraufhin an Wert verloren.

Zudem drohen der Firma wegen des Datenabflusses Sammelklagen. Auch deshalb ist ein Großteil des Zuckerberg-Eintrags eine Wiederholung bekannter Facebook-Standpunkte. So fehlen zum Beispiel Informationen darüber, warum der Datenabfluss im Jahr 2015 nicht gemeldet wurde (dieser Punkt dürfte bei Untersuchungen und möglichen Klagen wichtig werden).

Die jetzt vorgestellten Schritte verändern wie erwartet nichts an der intensiven Auswertung von Nutzer-Verhalten und -Vorlieben durch die Facebook-Produkte selbst, die der Konzern für den Verkauf zielgenauer Werbebotschaften durchführt.

Zuckerberg, der fast nie in Live-Interviews zu kontroversen Themen Stellung bezieht, gab am Abend auch CNN ein Interview. Zudem publizierten die New York Times, Wired und Recode Gesprächstranskripte vom Nachmittag.

Erstmals erklärte er sich dabei bereit, unter bestimmten Bedingungen vor Kongress-Ausschüssen auszusagen. Bislang hatte Facebook dorthin stets Manager aus der zweiten Reihe entsandt.

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