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Sicherheitslücke Wlan:Das FBI warnt Fluggesellschaften vor Hacker-Angriffen

Bruce Schneier, ebenfalls ein renommierter IT-Sicherheitsforscher, sieht das ähnlich. Flugzeug-Entführungen per Wlan-Hack seien zwar denkbar, schreibt er in seinem Blog - doch so unrealistisch, dass er sich deutlich mehr Sorgen über Cyber-Angriffe auf Autos, Medizintechnik oder andere vernetzte Geräte mache. Allerdings, und da ist er sich mit Nikishin einig, werfe bereits die theoretische Möglichkeit kein gutes Licht auf die Flugzeughersteller. Man dürfe heutige Infrastruktur nicht mit gestriger Sicherheitstechnik betreiben. Eine flächendeckende Modernisierung sei zwar teuer, aber dringend notwendig.

Modernisierungsbedarf sehen auch das FBI und die US-Transportsicherheitsbehörde TSA. Die Wired zitiert aus einer internen Mitteilung der beiden Behörden, in der sie Fluggesellschaften vor möglichen Angriffen auf Wlan-Netzwerke warnen. Bislang sei es bloße Spekulation, dass ein Hacker über das bordeigene Wlan den Kurs eines Flugzeugs verändern könne, doch man nehme die Hinweise ernst und prüfe, ob eine solche Attacke möglich sei.

Die mediale Aufmerksamkeit, die der Tweet von Roberts auslöste, könnte Trittbrettfahrer nach sich ziehen. Das FBI rät dem Flugpersonal deshalb, nach Passagieren Ausschau zu halten, die Kabel oder andere Geräte an die Netzwerkanschlüsse unter den Sitzen anschließen; außerdem solle die Crew die Wlan-Verbindung auf verdächtige Aktivitäten hin überwachen.

Chris Roberts' Lohn: Flugverbot statt Dank

Solche Warnungen dürften Chris Roberts in die Hände spielen, der die Fluggesellschaften seit Jahren auffordert, die Bordtechnik besser gegen Angriffe abzusichern - bislang seien seine Hinweise allesamt ignoriert worden. Gegenüber CNN sagte er, er habe seinen Laptop bereits 15- bis 20-mal während eines Fluges mit den Schnittstellen unterhalb der Sitze verbunden und so ins Informations-System des Flugzeugs eindringen können. Anderen Passagieren habe er erklärt, im Auftrag der Fluggesellschaft zu handeln; niemand sei misstrauisch geworden.

Der Fluglinie United Airlines war Roberts damit offensichtlich ein Dorn im Auge. Drei Tage nach dem Vorfall in Syracuse wollte Roberts nach San Francisco fliegen, um dort auf einer Sicherheitskonferenz einen Vortrag zu halten. Doch United Airlines verweigerte ihm den Zutritt zum Flugzeug und teilte mit: "Angesichts von Mr. Roberts' Behauptungen, die IT-Systeme von Flugzeugen manipuliert zu haben, haben wir im Interesse unserer Kunden und Crew-Mitglieder entschieden, ihn nicht mit United fliegen zu lassen."

© SZ vom 24.04.2015/sih/mri
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