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Wirkungslose Software gegen Viren:Angst machen und kassieren

Es ist ein Geschäft mit der Angst: Internetnutzern gefälschte Virenwarnungen unter - und bieten eine teure, aber wirkungslose Software als Gegenmittel an. Doch es gibt Schutzmechanismen.

Ihr Laptop ist mit Viren verseucht: Als Christiane Z. diese Meldung sah, bekam sie Panik. Der Rechner ist das wichtigste Arbeitsgerät der Übersetzerin. "Ich dachte, dass in kurzer Zeit alles kaputtgeht", sagt sie - und lud deswegen schnell die Anti-Virus-Software herunter, die im gleichen Fenster angeboten wurde.

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Was die Frankfurterin nicht wusste: Die Warnung war genauso gefälscht wie die Software. Sie war Opfer sogenannter Scareware geworden. Der Name deutet es an: Scareware jagt unbedarften Nutzern Angst ein - "scare" ist Englisch und heißt "erschrecken". Die scheinbar dramatische Nachricht von der Infektion des Rechners soll die Menschen dazu bringen, sich ein Aufräumprogramm herunterzuladen.

"Die Software ist zwar kostenlos, sie rät aber eindringlich dazu, die Vollversion für 30 oder 40 Euro zu kaufen", erklärt Candid Wüest, Virenexperte von der Softwarefirma Symantec. Das Programm löst ein Problem, das es ohne es nicht gäbe. Die Scareware-Abzocke ist weit verbreitet. In einer Umfrage des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gaben 60 Prozent der Befragten an, das sie das Problem kennen, rund 9 Prozent waren selbst davon betroffen.

Untersuchungen von Sicherheitssoftware- Herstellern bestätigen den Trend, lässt sich doch damit viel Geld verdienen. Das Fachmagazin c't schreibt gar von einem "Multi-Millionen-Dollar-Geschäft". Bei der Verbreitung ihrer Angstmach-Software nutzen die Cyber-Kriminellen zumeist Sicherheitslücken von Websites aus. "Die Angreifer bringen auf der Seite ein kleines Skript unter", erklärt Candid Wüest.

Kommt der Besucher auf die Seite, taucht die Warnung auf. Auch seriöse Web-Angebote, die nicht gut abgesichert sind, stehen im Visier. So wie bei Christiane Z.: Sie recherchierte in einem Online-Lexikon - nicht gerade die Schmuddelecke des Internets. Ein weiterer Verbreitungsweg setzt direkt beim Nutzer an. Wer Software auf seinem Rechner nicht regelmäßig auf den neuesten Stand bringt, bietet Einfallstürchen, durch die Angreifer schädlichen Code einschleusen können.

Das Perfide: Manche Cyber-Kriminelle geben sich einen höchst seriösen Anstrich. So bietet ein Schummel-Programm als Kundenservice einen Chat an, erzählt Wüest. In einem Fall richtete eine professionelle Bande sogar ein richtiges Callcenter ein. Manches Scareware-Opfer lässt sich so von den Betrügern beruhigen. Angesichts dieser geschickten Tarnung fallen eher unbedarfte Nutzer wie Christiane Z. schnell herein.