Wikipedia-Weltkonferenz 2010 Was die Wikipedianer gegen Zensur unternehmen

Darum kümmert sich Barry Newstead. Der Beauftrage für die internationale Entwicklung steht an einem Tisch, um ihn herum zwei Studenten und ein Schüler aus dem arabischen Sprachraum. Sie wollen die arabische Version des Mitmachlexikons vergrößern.

Gruppe von Wikipedianern in Danzig: Freier Zugang zur Online-Enzyklopädie ist keine Selbverständlichkeit.

(Foto: Ra Boe/Wikimedia Commons, CC SA 3.0)

Laut den Vereinten Nationen ist Arabisch auf Rang sechs der häufigst gesprochenen Sprachen, gleichwohl stammt liegt nur ein Prozent der Artikel in arabischer Sprache vor. Der Grund ist überraschend simpel, erklärt der Wikipedianer Mohammed Mohammed: "Viele kennen den Edit-Button nicht. Bei mir war das auch so."

Der Student aus Kairo hat gerade seinen Master in Informatik erhalten und arbeitet erst seit diesem Jahr an Wikipedia mit. Noda Al Bunni aus Syrien kämpft mit anderen Problemen: Blockade. "Der Wunsch nach Blockade muss gar nicht von der Regierung kommen," sagt sie. "Es gibt auch andere Gruppen, die zum Beispiel stört, dass Bilder vom Propheten Mohammed gezeigt werden."

Die Macht des Edit-Buttons

Ihr Rezept dagegen: Der Edit-Button. "Wenn die Menschen wissen, dass sie falsche Informationen ändern können, dann wächst die Akzeptanz", sagt Noda Al Bunni. Mohammed Mohammed aus Kairo kennt keine Blockade-Probleme, selbst Artikel und Bilder über Genitalien oder die Bilder über den Propheten seien von Ägypten aus erreichbar.

Ganz anders sieht es jedoch in Saudi-Arabien oder Iran aus, dort herrscht Zensur. Daher wollen sich Teilnehmer aus diesen Ländern auch nicht in Presseartikeln wiederfinden. Sie sind hier, um neue Leute kennenzulernen und Ideen zu sammeln.

Zum Beispiel von Jeromy-Yo Chang. Der Chinese aus Hongkong kennt eines der besten Mittel gegen Zensur: "Reden." So habe China die Blockade 2008 gelockert, "weil Jimmy Wales mit der Regierung gesprochen hat."

Der Ober-Wikipedianer habe klargemacht, dass das Online-Lexikon viel Wissen zu Technik, Biologie oder Chemie enthält und sich so als Werkzeug zum Lernen eignet. Außerdem hätten doch auch chinesische Autoren die Möglichkeit zum neutralen Standpunkt bei Lexikon-Artikeln beizutragen, indem sie die Sicht Chinas einfließen lassen.

China: Ein bisschen Öffnung

Im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 öffnete China den Zugang zu vielen Wikipedia-Seiten. "Das liegt an den Gesprächen, aber auch daran, dass sich die Zensur-Möglichkeiten verfeinert haben," sagt Jeromy-Yo Chang. Die staatseigene Filter-Architektur ermöglicht den Behörden in Peking, Inhalte wie Informationen zum Dalai Lama auszusortieren.

Von einer offenen Wikipedia, wie wir sie kennen, können jedoch viele Konferenzteilnehmer nur träumen. Und für die arabischen Teilnehmer zeigt sich schon bei der "Wikimania 2011", dass ihr Einsatz nicht nur im virtuellen Raum beschränkt ist: Obwohl das Wiki-Woodstock nächstes Jahr in Haifa und damit in der direkten Nachbarschaft stattfindet, können viele von ihnen die Konferenz nur aus der Ferne verfolgen - ihre Regierungen verbieten ihren Bürgern die Reise nach Israel.

Wenn es doch nur für alle Probleme einen Edit-Button gäbe.

Die unglaubliche Riesenmaschine

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