bedeckt München

Wikileaks: Werbevideo-Parodie:Julian Assange verspottet Mastercard

"Mit Deiner Arbeit die Welt verändern - unbezahlbar": In einem Werbevideo nimmt Wikileaks-Kopf Julian Assange Mastercard auf den Arm, weil das Unternehmen die Finanzkonten der Organisation blockiert. Doch Assange muss selber einige Fragen beantworten.

Die Mastercard-Werbung mit dem "Unbezahlbar"-Slogan am Ende wird gerne und häufig parodiert - nun nimmt auch die Enthüllungsplattform Wikileaks den Slogan auf. Doch der Spot, der derzeit im Netz die Runde macht, dürfte der Kreditkartenfirma überhaupt nicht gefallen.

In diesem ist ein Mann zu sehen, der zu klassischer Musik in einen Laptop tippt, telefoniert und eine Mastercard zerschneidet. "20 Telefone, um anonym zu bleiben: 5000 Dollar", erklärt die sonore Stimme aus dem Off. "Rechtsbeistand: eine Million Dollar", "Server in mehr als 40 Ländern: 200.000 Dollar", "Hausarrest: 500.000 Dollar". Und: "Verlorene Spenden: 15 Millionen Dollar".

Dann blickt der Mann - es handelt sich natürlich um Wikileaks-Gründer Julian Assange - auf seinen Laptop, wo ein Video der arabischen Revolution läuft. "Zu sehen, wie sich die Welt aufgrund Deiner Arbeit verändert - unbezahlbar". Am Ende wird der Hinweis auf eine Spendenseite für Wikileaks eingeblendet, Motto: "Einige Menschen mögen keine Veränderung. Für alle anderen gibt es Wikileaks."

Der Clip ist auf der einen Seite eine Parodie, auf der anderen Seite eine bittere Anklage: Seit sechs Monaten geben Visa, Mastercard, PayPal, Western Union und die Bank of America keine Spenden an Wikileaks weiter. In einer Stellungnahme auf der eigenen Webseite wiederholt Wikileaks den Vorwurf, dadurch 15 Millionen Dollar an möglichen Einnahmen verloren zu haben. Die Unternehmen befänden sich komplett außerhalb jeder angemessenen Prozesse oder Rechtsregeln", heißt es.

Tatsächlich ist die Blockade umstritten: Anfang Januar hatte US-Finanzminister Timothy Geithner erklärt, es gebe dafür keine rechtliche Grundlage. Eine offizielle Anklage gegen die Organisation liegt derzeit nicht vor, allerdings vernimmt ein Geschworenengericht derzeit zahlreiche Zeugen wegen der Veröffentlichung der US-Botschaftsdepeschen, um über eine Anklage gegen Wikileaks und Assange zu entscheiden.

Der Wikileaks-Gründer selbst steht in Großbritannien weiterhin unter Hausarrest und kämpft derzeit juristisch gegen seine Auslieferung nach Schweden, wo er der Vergewaltigung verdächtigt wird.

Der Wikileaks-Werbespot sorgt im Netz für Amüsement - Kritiker merken allerdings an, dass die Organisation zwar die Verwendung von Spendengelder andeutet, wirkliche Transparenz jedoch weiterhin fehlt: Einen detaillierten Bericht, der die Ausgaben der Organisation genauer aufschlüsselt, hat Wikileaks bislang nicht veröffentlicht. bislang

Zudem ist umstritten, ob Wikileaks-Enthüllungen über Korruption in Tunesien tatsächlich größeren Anteil an der Revolution dort hatte, weshalb einige Stimmen im Netz fragen, ob Assange sich nicht mit fremden Federn schmückt.

Mastercard hat auf den Spot bislang nicht reagiert. Eine Klage gegen die Verwendung des Slogans würde nicht nur für schlechte PR sorgen, sondern hätte wahrscheinlich auch keine Aussicht auf Erfolg, wie im Blog techPresident zu lesen ist: Ein Gericht hat bereits 2004 die Parodie der Werbekampagne ausdrücklich erlaubt.

© sueddeutsche.de/joku/mri
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema