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Wikileaks-Chef streitet mit Verlag:Warum Julian Assange gegen seine Autobiographie kämpft

Eigentlich wollte der umstrittene Wikileaks-Gründer Julian Assange mit einer Autobiographie seinen beschädigten Ruf reparieren. Nun kommt das Werk auf den Markt - und Assange ist alles andere als begeistert.

Niklas Hofmann

Es sollte eines der "einheitsstiftendsten Dokumente unserer Generation" werden. So hatte Wikileaks-Gründer Julian Assange im Dezember 2010 seine Autobiografie angekündigt. Das Erscheinen wurde immer wieder verschoben. Nun ist seit gestern ein Buch im britischen Handel, das der kleine schottische Verlag Canongate gegen Assanges Willen als "unautorisierte Autobiografie" auf den Markt gebracht hat.

Biografie von Julian Assange

Autobiographie des Wikileaks-Chefs Julian Assange in einem Londoner Buchladen: Memoiren wider Willen.

(Foto: dpa)

Erworben hatte Canongate die Rechte gemeinsam mit dem US-Verlag Alfred A. Knopf, laut Guardian für 930.000 britische Pfund. Die Rechte wurden in Dutzende andere Länder verkauft. 50 Stunden Interviews und Gespräche führte Julian Assange in Ellingham Hall, dem Quartier seines Hausarrests, mit dem Schriftsteller Andrew O'Hagan, der ihm als Ghostwriter dienen sollte.

Im März bekam Assange einen ersten Entwurf des Buchs zu Gesicht und entschied danach, so Canongate, alle Memoiren seien "Prostitution". Im Juni wollte er vom Vertrag zurücktreten, doch seinen Vorschuss (der sich laut Guardian auf 500.000 Pfund belief) zurückzahlen konnte er nicht. Das Geld war offensichtlich direkt in seinen Verteidigungsfonds geflossen. So entschied sich Canongate "den Vertrag einzuhalten" und brachte das Buchfragment in einer Überrumpelungsaktion auf den Markt.

Assange fühlt sich mit dem "unfertigen und fehlerhaften Entwurf" aufs Kreuz gelegt. Er sei zu einem neuen Vertrag mit neuer Deadline bereit gewesen, teilte er mit, nun aber werde er seine eigene "Autobiografie" wie jedermann im Handel erwerben müssen, um das Ausmaß ihrer Fehler zu ermessen.

Verhängnisvolle Beziehungen

Wirklich Neues enthalten die ersten Auszüge in der Zeitung Independent nicht. Wie in Suelette Dreyfus' Buch "Underground" werden die jugendlichen Aktivitäten Assanges als Hacker "Mendax" ausgebreitet. Es wird über die Einsamkeit seines Nomadenlebens nach dem Wikileaks-Start 2006 berichtet, und über die verhängnisvolle Beziehung mit jenen beiden Schwedinnen, mit denen er stets nur einvernehmlichen Sex gehabt haben will.

Ob die Assange-"Memoiren" je in Deutschland erscheinen, ist unklar. Erworben hatte die Rechte Kiepenheuer & Witsch. Zwei zentrale Punkte seines Vertrags mit Canongate gelten laut Verleger Helge Malchow nun aber nicht mehr: Erstens, dass eine Autobiografie selbstverständlich mit Einverständnis des Autoren veröffentlicht wird. Und zweitens, dass das Werk weltweit gleichzeitig erscheint.

Ob KiWi einen neuen Vertrag über die unautorisierte Fassung abschliessen will, soll am Montag entschieden werden.

© SZ vom 23.09.2011/joku
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