Werbung auf Youtube Googles Ku-Klux-Klan-Problem

Große Werbekunden wollen nicht, dass ihr Geld bei rassistischen Youtubern landet. Da knickt selbt Google ein.

Von Björn Finke, London, und Caspar Busse

Die Reaktionen der Anzeigenkunden waren massiv, entsetzt, dass ihre teure Werbung bei Google in direkter Nähe von extremistischen Inhalten und Hassvideos im Netz auftauchten. Erst gab es Beschwerden und Drohungen, dann stornierten einige ihre Aufträge, wie Marks & Spencer, die HSBC-Bank, Volkswagen, McDonald's, Toyota oder Audi. Spätestens da war klar, dass der Internetkonzern Google reagieren muss, und zwar schnell. Nur eine öffentliche Entschuldigung reichte nicht mehr, die Lage ist ernst. Denn die Erlöse mit Anzeigen sind die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle der Amerikaner.

"Wir wissen, dass Anzeigenkunden ihre Werbung nicht neben Inhalten sehen wollen, die mit ihren Werten nicht im Einklang stehen", teilte deshalb Google-Manager Philipp Schindler an diesem Dienstag auf dem Blog des Unternehmens mit. Firmen sollten künftig größere Kontrolle darüber erhalten, wo ihre Anzeigen auf Google-Plattformen wie zum Beispiel der Videotochter Youtube, die seit 2006 zum Konzern gehört, erscheinen. "Ab heute nehmen wir daher eine kompromisslosere Haltung gegenüber hasserfüllten, beleidigenden und herabwürdigenden Inhalten ein", kündigte Schindler an. Dazu sollen auch zahlreiche neue Mitarbeiter eingestellt werden.

Der Internetkonzern werde einen "strengen Blick" auf seine geltenden Richtlinien werfen und Vorkehrungen verschärfen, damit Werbung nur in Verbindung mit seriösen Inhalten erscheine. Für die "kommenden Tage und Monate" kündigte Google Funktionen an, mit denen die Werbetreibenden "leichter und lückenlos" regeln könnten, wo etwa auf Youtube und im Netz ihre Anzeigen erscheinen sollen. Bereits am Montag hatte sich Google-Manager Matt Brittin auf einer Veranstaltung in London öffentlich entschuldigt.

Das Problem gibt es weltweit, neben Google stellt es sich beispielsweise auch für Facebook. Besonders groß ist die Aufregung derzeit aber in Großbritannien. Nachdem die Tageszeitung The Times berichtet hatte, dass sogar Werbung der Regierung und des öffentlich-rechtlichen Senders BBC im direkten Umfeld bizarrer Youtube-Videos gezeigt wird, stoppte die Regierung ihre Kampagnen bei der Videoplattform. Die BBC, die Supermarktketten Tesco und Sainsbury's, die Banken Lloyds und Royal Bank of Scotland sowie die Royal Mail beendeten ebenfalls ihre Zusammenarbeit mit der Videotochter von Google.

Vertreter des US-Internetkonzerns wurden sogar in Theresa Mays Premierminister-Büro einbestellt, um darzulegen, wie Google bei der Platzierung von Werbung in Zukunft "die hohe Servicequalität liefern wird, welche die Regierung im Namen der Steuerzahler verlangt", sagte eine Sprecherin. Google sei dafür verantwortlich, dass die hohen Standards, die für Werbung der Regierung gelten, eingehalten würden. Solche Anzeigen dürften nicht in der Nähe "unangemessener Inhalte" erscheinen. Auch Publicis, eine der größten Werbeagenturen der Welt und damit ein wichtiger Kunde von Google, klagte, der amerikanische Konzern habe Standards der Branche verletzt. Die Geschäftsbeziehungen zu Google würden deshalb überprüft.

Großbritannien ist der größte Markt für Google nach den USA. Der Konzern erwirtschaftete alleine dort im vergangenen Jahr umgerechnet rund 7,25 Milliarden Euro an Werbeeinnahmen. Werbung von Regierungsorganisationen oder der BBC wurde unter anderem bei Youtube-Videos von David Duke gezeigt, einem Holocaust-Leugner und Ku-Klux-Klan-Aktivisten, oder bei Spots von Wagdi Ghoneim, einem islamistischen Prediger. Letztlich fließe auf diese Weise Steuergeld in die Taschen von Extremisten, weil Google diese an den Werbeerlösen beteilige, sagen Kritiker.

Auch in den USA, dem für Onlinewerbung wichtigsten Markt, wächst bei vielen Kunden die Sorge, dass Werbung auf Internetseiten veröffentlicht wird, die für die Firmem unerwünschte Inhalte verbreiten. Dabei geht es zum Beispiel auch um das rechte Nachrichtenportal Breitbart, das als Forum für Rechtspopulisten und Antisemiten gilt. Es wurde bis Mitte vergangenen Jahres von Stephen Bannon geleitet, der inzwischen als Berater von US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus gewechselt ist.

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