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Wall Street Journal: Wikileaks-Kopie:Plattform für Selbstenthüllungen

Auch das Wall Street Journal springt auf den Whistleblower-Zug auf - doch der Wikileaks-Klon der Zeitung weist massive Mängel auf.

Geheime Dokumente und Daten will das Wall Street Journal ( WSJ) auf seiner neuen Seite SafeHouse sammeln, anonym und sicher, wie es heißt. Doch das Whistleblower-System, das erst am Donnerstag in Betrieb ging, sieht sich bereits jetzt harscher Kritik ausgesetzt.

Wall Street Journal Launches NY Section, Aiming To Compete With NY Times

Wall Street Journal (rechts): Wikileaks-Klon mit Sicherheitsmängeln.

(Foto: AFP)

So meldete sich bereits nach wenigen Stunden der IT-Sicherheitsexperte Jacob Appelbaum zu Wort und ließ kein gutes Haar an der verwendeten Software. Das Versprechen des WSJ, anonym zu bleiben, sei eine "schlichte Lüge" .

So werde der Sicherheitsstandard SSL nicht durchgängig verwendet, mit der Einbindung des umstrittenen Multimedia-Formats Flash öffne die Zeitung ohne große Not Sicherheitslücken. Sein Rat: "Wenn Du eine Enthüllungsseite aufsetzt, solltest Du eine Ahnung davon haben!"

Nun ist Appelbaum kein Laie: Er gehört zum Entwicklerkreis des Internet-Anonymisierungsdienstes Tor, dazu gilt er als ein wichtiger Wikileaks-Unterstützer.Wer seine Aussagen für den Versuch hält, die Konkurrenz zu diskreditieren, dürfte beim Blick auf die Nutzungsbedingungen eines Besseren belehrt werden.

Wie das US-Blog Gawker zuerst bemerkte, enthalten diese Formulierungen, die wenig Spielraum für Anonymität lassen. Wörtlich heißt es: "Außer wenn wir eine zusätzliche Vertraulichkeitsvereinbarung abgeschlossen haben (...), behalten wir uns das Recht vor, sämtliche Informationen über Sie an Ermittlungsbehörden oder anfragende Dritte ohne Benachrichtigung weiterzugeben, um uns an die entsprechenden Gesetze zu halten."

Schnüffeln im Anti-Terror-Kampf

Das Wall Street Journal hat sich zu der Kritik bislang nicht geäußert. Nutzungsbedingungen, die aufgrund des Patriot Acts Ermittlungsbehörden im Zuge der Anti-Terror-Gesetze zahlreiche Rechte einräumen, sind bei US-Unternehmen die Regel. Allerdings dürfte das Vertrauen von Informanten, die wirklich anonym bleiben möchten, damit kaum zu gewinnen sein.

Der Autor des Gawker-Stücks folgert deshalb in Anspielung auf Wikileaks-Chef Julian Assange und den Medien-Mogul Rupert Murdoch, dem das Wall Street Journal gehört: "Die einzige Gemeinsamkeit, die SafeHouse mit Wikileaks hat, besteht darin, dass beide von größenwahnsinnigen Australiern profitieren."